Ö1 Hörspiel

"Spaziergänge eines einsamen Träumers" von Mischa Zickler

Ein Hörspiel über einen großen Denker der Aufklärung: den Philosophen, Schriftsteller, Pädagogen und Naturforscher Jean-Jacques Rousseau.

Jean-Jacques Rousseau wurde 1712 in Genf geboren. Seine Vorfahren waren französische Protestanten, die vor Verfolgung nach Genf geflohen waren. Seine Mutter starb wenige Tage nach seiner Geburt, der Vater verließ die Stadt, als Rousseau zehn Jahre alt war. Es war der Beginn eines unsteten Lebens.

Rousseau wurde berühmt - und umstritten. Seine Schriften brachten ihm Bewunderung ebenso ein wie Verfolgung und Verbote. "Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten": Mit Sätzen wie diesem wurde Rousseau zu einem der einflussreichsten politischen Denker des 18. Jahrhunderts und zu einem geistigen Wegbereiter der Französischen Revolution. Zugleich war er ein radikaler Kritiker jener Gesellschaft, deren Fortschrittsglauben seine Zeit bestimmte.

Im Alter zog sich Rousseau zunehmend zurück. Misstrauen und Verfolgungsängste überschatteten seine letzten Jahre. In seinem letzten, unvollendet gebliebenen Werk, den "Träumereien des einsamen Spaziergängers", blickt er auf sein Leben zurück - auf seine Konflikte mit der Welt, aber auch auf jene Augenblicke des Glücks, die er in der Natur und im Alleinsein findet.

Der Autor und Radiomacher Mischa Zickler holt Rousseau in seiner Hörspiel-Originalproduktion in unsere Gegenwart: Jean-Jacques Rousseau lebt noch. Er kennt Twitter, E-Mails und Google - und wird bei seinen täglichen Spaziergängen von einem hartnäckigen Journalisten verfolgt, dessen Interesse bald über das rein Berufliche hinausgeht.

Aus den Gesprächen in der Natur entwickelt sich eine vorsichtige Annäherung zweier Männer, denen sich die Welt auf sehr unterschiedliche Weise erschlossen hat. Und der alternde Rousseau muss erleben, wie der junge Mann nicht nur seine Vorstellungen von Gesellschaft, Freiheit und Glück infrage stellt, sondern schließlich auch seine Beziehung zu seiner Frau Thérèse.

Mischa Zickler verschränkt dabei historische Rousseau-Zitate mit Gedanken aus unserer Gegenwart. So entsteht ein reizvolles Spiel mit den Jahrhunderten - und die Frage, wie Rousseaus Kritik an Zivilisation, Selbstdarstellung und gesellschaftlichem Anpassungsdruck heute klingen würde.

2018 wurde die Produktion mit dem "Hörspielpreis der Kritik" ausgezeichnet. Hedwig Kainberger, Kulturchefin der "Salzburger Nachrichten", lobte vor allem, wie anregend das Hörspiel die Zeiten ineinanderblendet: Der historische Rousseau begegnet der digitalen Gegenwart. Und aus seinem Denken lässt sich ein Satz entwickeln, der zwar nicht von ihm stammt, aber erstaunlich gut zu ihm passen könnte: "Glück ist nichts Digitales."

"Spaziergänge eines einsamen Träumers" von Mischa Zickler. Mit Markus Meyer, Claudius von Stolzmann, Christiane von Poelnitz, Steffen Link und Tim Breyvogel, Tongestaltung: Martin Leitner und Manuel Radinger, Musik: Thomas Rabitsch, Regie: Mischa Zickler (ORF 2017)

Sendereihe

Gestaltung

  • Elisabeth Weilenmann

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