Zeit-Ton
Zeitfluss zwischen Ritualen und Houellebecq
Mitschnitt vom ORF musikprotokoll im steirischen herbst mit drei Uraufführungen und einer österreichischen Erstaufführung.
11. Oktober 2026, 20:01
Am Schlusstag des 59. ORF musikprotokoll im steirischen herbst senden wir ein Konzert, das beim Festival am Freitag, 9. Oktober 2026, in der Helmut List Halle aufgenommen worden ist. Musik, die mit Gewohnheiten bricht; inspiriert von Ritualen, Ikonen, Psychoakustik und Houellebecq. Das Ensemble Zeitfluss spielte Werke von Sânziana-Cristina Dobrovicescu, Daniel Oliver Moser, Clemens Nachtmann und Klaus Lang.
Die rumänische Literatin und Komponistin Sânziana-Cristina Dobrovicescu verbindet theatrale und musikalische Traditionen. In "Rite of Margins II" werden die Grundfesten des klassischen Aufführungszeremoniells hinterfragt: Die Musik setzt bereits ein, während das Publikum bei voller Saalbeleuchtung noch den Saal betritt. Als Autoritätsfigur bringt der Dirigent nach und nach Ordnung in das Chaos vor dem Konzert - und führt vom Alltag ins Ritual der Konzertsituation.
Daniel Oliver Mosers Musiksprache ist von mikrotonaler Harmonik geprägt. Sein neues Werk lehnt sich an die Gattung Klavierkonzert an. Dabei nutzt er bewusst die "starre" Stimmung des Klaviers mit dem flexibleren Ensemble, um durch psychoakustische Phänomene die wahrgenommene Stabilität der Klavierstimmung infrage zu stellen.
Klaus Langs "Riza", in Graz als österreichische Erstaufführung zu erleben, orientiert sich an den kunstvoll verzierten Metallabdeckungen orthodoxer Ikonen. Musik von Johannes Ockeghem tritt dabei an die Stelle der Ikone, über die Lang eine neue Klangschicht legt.
Clemens Nachtmanns "Essence/Déroute" vertont Gedichte von Michel Houellebecq über Flucht, Liebe und Verlust und versteht sich zugleich als Hommage an Pierre Boulez.
Service
Sendereihe
Gestaltung
- Werner Ranacher
