Radiokolleg
Im Fluss - die Moldau entlang (2)
Von Budweis bis zum Orlik-Stausee
13. Oktober 2026, 09:05
Zwei alteingesessene Unternehmen in Ceské Budejovice / Budweis erzählen auf ihre Art von der deutsch-altösterreichisch-tschechischen Vergangenheit. "Budweiser" wurde als Gegenprojekt zur bürgerliche-deutschen "Samson"-Brauerei gegründet - und schrieb als Aktiengesellschaft Erfolgsgeschichte. Wie auch der Schreib- und Malartikelhersteller Koh-I-Noor: die Firma wurde von einem österreichischen Architekten aufgebaut: ein Teil der Familie kollaborierte später mit der SS. Nach der Verstaatlichung wurde es privatisiert.
Die heute zahlreichen Staudämme und Stauseen lassen fast vergessen, dass die Moldau ein mächtiger Fluss und eine bedeutende Lebensader und Wasserstraße war und teilweise noch ist. In Purkarec zeigt das kleine Flößermuseum, wie gefährlich und wirtschaftlich bedeutend das Leben am und im Fluss einst war.
Viele hölzerne und steinerne Zeitzeugen an der Moldau sind im 20. Jahrhundert in der Moldau versunken. Für den Bau von Kraftwerken und Stauseen wurden Menschen abgesiedelt und ganze Dörfer abgerissen oder geflutet. Auch für das Atomkraftwerk Temelin, das das Wasser der Moldau zum Kühlen benötigt.
Die größte Talsperre Tschechiens wurde von 1954 bis 1960 bei der Burg Orlik gebaut. Sie ist ein bedeutendes Glied in der "Moldau-Kaskade" und dient zur Stromerzeugung, für den Hochwasserschutz und zur Wasserregulierung des Flusses. Der Stausee ist 68 km lang und ein Hindernis für die Schifffahrt. Sportboote können mit einem Schrägaufzug über die Staumauer transportiert werden, der Aufzug für große Schiffe blieb ein Fragment. Bei Tauchern beliebt ist die versunkene Stephanskirche. Der riesige Stausee zieht aber offenbar auch Kriminelle an: In seinen Tiefen wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Mordopfer gefunden.
Gestaltung: Ute Maurnböck, Sonja Bettel und Kilian Kirchgessner
