Christine Nöstlinger

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Gedanken für den Tag

Kritisch, grantig und humorvoll

Heinz Janisch, Journalist und Autor, zum 90. Geburtstag von Christine Nöstlinger

Heute vor 90 Jahren wurde Christine Nöstlinger geboren. Die Nöstlinger, sie war präsent, mit ihren Büchern für Kinder und Erwachsene, mit ihren Kolumnen in Zeitungen, mit ihren Arbeiten für den Rundfunk und fürs Fernsehen.

Die Nöstlinger, das war bis zu ihrem Tod im Juni 2018 eine, die kritisierte, was es zu kritisieren gab, die auftrat gegen soziale Ungerechtigkeit, die sich bei SOS-Mitmensch engagierte. Ich hatte immer großen Respekt vor Christine Nöstlinger. Sie war im Gespräch direkt und kritisch, grantig und humorvoll, mürrisch und warmherzig - und all das auf unvergleichliche Art und Weise gleichzeitig.

Bei einer Lesung durfte ich einmal als Autor neben Christine Nöstlinger auf der Bühne sein. Sie hat die Lesung so begonnen: "Es gibt gscheite Erwachsene, und es gibt blede Erwachsene. Es gibt gscheite Kinder, und es gibt blede Kinder. Die Bleden können net zuhören. Ich hoffe, ihr gehörts nicht zu den Bleden." Es war dann beeindruckend still im Saal.

Als Gastgeberin war Christine Nöstlinger überaus herzlich. Ein Gulasch wurde aufgewärmt, selbstgemachter Kuchen kam auf den Tisch. Und dann wurde über Bücher geredet. Ich kann mich an zwei lange Besuche im Hause Nöstlinger erinnern. Vor vielen Jahren habe ich Ernst Nöstlinger besucht, ihren Ehemann, für die Reihe "Damals war ich vierzehn", die regelmäßig in der Sendung "Zickzack" auf Ö3 zu hören war. Ernst Nöstlinger hatte sein Buch "Martin Wimmer und der totale Krieg" veröffentlicht, ein Buch über Burschen, die mit 14 Jahren unfreiwillig aus der Schulklasse herausgeholt werden und als FLAK-Helfer - bei der Fliegerabwehr - Kriegsdienst versehen müssen. Viele von ihnen haben den Krieg nicht überlebt. Das Buch ist ein literarisches Zeitdokument und sollte unbedingt wieder aufgelegt werden.

Viele Jahre später saß ich wieder beim Ehepaar Nöstlinger. Dieses Mal hat Christine Nöstlinger erzählt, für die Ö1-Porträt-Reihe "Menschenbilder". Wieder war auch der Krieg ein Thema. In ihrem Buch "Maikäfer flieg" erzählt Christine Nöstlinger sehr eindrücklich von einer Kindheit in schwierigen Zeiten. Sie erzählte in der Sendung auch sehr offen von ihrer schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter. "Ich wollte nie so werden wie meine Mutter", sagte sie im Gespräch - um dann mit einem Lächeln hinzuzufügen. "Und was ist passiert? Ich bin genauso geworden wie meine Mutter - eigensinnig, laut, stur und allergisch auf jede Art von Befehlen." Gut so, denkt man, und: Wir könnten mehr davon dringend gebrauchen.

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Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Kurt Schwertsik geb.1935
Album: Kurt Schwertsik: Die Klavierwerke
* ... for Rose Simpson
Titel: Albumblätter für Klavier
Solist/Solistin: Aya Klebahn
Länge: 02:19 min
Label: Gramola 99209

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