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Eine Partitur auf Wanderschaft

Rossinis "Le siège de Corinthe" und seine Verwandten

Gioachino Rossini war ein vorsichtiger Mann. Als es darum ging, sich in Paris zu etablieren, tastete er zunächst mit einem semi-theatralischen Werk in seiner Muttersprache das Terrain ab ("Il viaggio a Reims"), ehe er sich an eine "grand opéra" für die Académie Royale de Musique machte. Und auch hier nahm er Italienisches als Absprungbasis: den davor in Neapel wenig geschätzten "Maometto II", der nun mit neuer Handlung und Balletten versehen und auch sonst dem französischen Geschmack angepasst wurde. Längst hat die Rossini-Renaissance auch "Maometto" (seinerseits in zwei Fassungen vorliegend!) wieder in sein Recht gesetzt, unter anderem mit Samuel Ramey und Michele Pertusi, June Anderson und Marina Rebeka, Ernesto Palacio und Francesco Meli. Von "Le siège de Corinthe" besitzen wir Mitschnitte unter anderem mit der Sopranistin Luciana Serra und dem Tenor Michael Spyres. Allerdings: Nachhaltigere Wirkung gewann Rossinis Opéra-Erstling von 1826 durch Rückübertragung ins Italienische - auch Wien erlebte "L'assedio di Corinto" bereits 1831. An sich geizt die "grand opéra" als Genre bereits nicht mit Effekten . dem Dirigenten Thomas Schippers war das zu wenig, er ließ sich die Partitur von "L'assedio" weiter aufpeppen, was rund um 1970 sowohl an der Mailänder Scala als auch an der New Yorker MET mit Beverly Sills, Marilyn Horne und Shirley Verrett zu heftig akklamierten, hochoktanigen Aufführungen führte. Aus puristischer Sicht: Etikettenschwindel, mit melomanischen Ohren gehört: ein Staccato an Sinnesreizen.

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel