Zeit-Ton extended

"Takten von Masse" von Markus Schmickler beim ORF musikprotokoll

Musikalische Grundlagenforschung mit Markus Schmickler

Bereits seit Jahrzehnten beschäftigt sich Marcus Schmickler in seiner kompositorischen Arbeit mit physikalischen Phänomenen, mit Shepard Tönen, otoakustischen Emissionen und der Sonifikation wissenschaftlicher Daten. Für das ORF musikprotokoll im steirischen herbst, das heuer unter dem Motto "Supernova" der Verbindung zwischen dem Mikro- und dem Makrokosmos nachspürte, ist in Zusammenarbeit mit Julian Rohrhuber "Takten von Masse (Studies in Timing Spectra)" entstanden, eine prismatische Zerlegung der Zeit und eine Studie minimaler Frequenzunterschiede.

"Sie geht von zwei verschiedenen Modellen der Teilchenphysik aus, die leicht unterschiedliche Massenspektren für dieselben Teilchen vorhersagen, ähnlich zwei Glocken aus verschiedenem Material, die beinahe, aber nicht exakt gleich klingen", so Marcus Schmickler.

"Klang und elektromagnetische Phänomene fallen physikalisch an einem Punkt zusammen: Beide sind Schwingungen, beide besitzen Spektren, und ihre Beschreibung folgt denselben mathematischen Strukturen. Die Studie nutzt diese Koinzidenz, um quantenmechanische Modelle in akustische Situationen zu übertragen: Resonanzkörper, deren Eigenfrequenzen die Massenzustände der Teilchen abbilden; Klangfelder, die zwischen den Theorien gleiten; Rhythmen, in denen das Spektrum zur zeitlichen Verteilung wird. Was erklingt, ist der Versuch, Information aus einer Welt spektraler Struktur in die sinnliche Domäne zu übersetzen, in der Menschen Spektren am differenziertesten wahrnehmen: den Klang."

In seiner diesjährigen Festivalausgabe unter dem Motto "Supernova" lud das ORF musikprotokoll zu einer Reise zum Ursprung, denn der Mikrokosmos Mensch ist unmittelbar mit dem Makrokosmos verbunden, bestehen wir doch im Wortsinn aus Sternenstaub, aus Elementen, die entweder kurz nach dem Urknall oder durch Kernfusionen im Inneren von Sternen entstanden sind.

Mit "Takten von Masse (Studies in Timing Spectra)" knüpft Marcus Schmickler an "Bonner Durchmusterung" an, ein Stück, das 2009 zum Internationalen Jahr der Astronomie entstanden ist. "Der zehnte Satz übertrug dort Massenspektren von Baryonen in Klang; die Idee stammte aus Alberto de Campos Arbeit "Science by Ear", dessen "Quantum Spectra Browser" Energieabstände auf Frequenzen abbildet und Konstituentenquarkmodelle hörend vergleichbar macht", so Marcus Schmickler. "Als Appendix eines kosmologischen Panoramas blieb der Satz Ausblick; siebzehn Jahre später wird daraus eine eigenständige Studie."

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