Radiogeschichten
Vom Verschwinden des Raums
"Von Riesenalks und Auerochsen" von John Burnside. Aus dem Englischen von Bernhard Robben.
27. Oktober 2026, 11:05
Wenn es ums Aussterben geht, denken viele an Pandas oder Eisbären, Puzzleteile, die im ganzen Bild der Natur schmerzlich fehlen. Eine trügerische Vorstellung, denn die Natur ist kein Puzzle, sondern kann eher mit einem immer fadenscheiniger werdenden Gewebe verglichen werden. Wie sehr der Mensch mit diesem verbunden ist, zeigt sich nicht nur in seiner Physis. Der schottische Dichter und Schriftsteller John Burnside sieht mit dem Verschwinden von Wildnis auch geistiges Habitat zerstört. Freie Küsten, Wälder, aber auch der verwachsene Hinterhof, der Hollunder einer Baulücke, die Blumen einer Brachfläche - alles Ungestaltete setzt den Geist frei. Doch Stück für Stück werden die kleinen Wildnisse und ihr jeweiliger genius loci "in den Status einer `Ressource´ überführt" und verschwinden unter Beton, Asphalt und gezähmten Grünflächen, während der menschliche Geist im digitalen Raum eingehegt wird. Was bleibt ist ein diffuser Verlustschmerz, der sich an oft unerwarteter Stelle Bahn bricht. Die im Original 2021 unter dem Titel "Aurochs and Auks" erschienenen Essays des 2024 verstorbenen Petrarca-Preisträgers sind Natur- und Kulturgeschichte, tieftraurige Beschwörung von Verlorenem und Plädoyer dafür, die Reste von freiem Raum und Poesie zu retten.
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John Burnside, Von Riesenalks und Auerochsen. Essays. Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Penguin Verlag, 2026.
