Betrifft: Geschichte

Vom Henker zum Chirurgen

Wie ein medizinischer Beruf entstand. Mit: Herwig Czech vom Institut Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin der Universität Wien. Gestaltung: Andreas Wolf.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit waren Henker nicht nur für die Vollstreckung von Todesurteilen zuständig, sie übernahmen teilweise auch Aufgaben, die heute dem medizinischen Bereich zugeordnet werden. Ein Grund dafür war, dass Henker durch ihre praktischen Erfahrungen mit dem menschlichen Körper über anatomische Kenntnisse verfügten. Bei Hinrichtungen und Folterungen mussten sie den Körper genau kennen, denn die Ihre Kunst bestand darin Opfer möglichst lange zu quälen ohne dass sie das Bewusstsein verloren. Bei Folterungen wurden zum Teil auch chirurgischen Instrumenten ähnliche Werkzeuge verwendet.

Während Henker sozial geächtet waren genossen Ärzte ein höheres gesellschaftliches Ansehen. Doch Tätigkeiten die mit Blut, Verletzungen oder dem Tod verbunden waren wurden von ihnen häufig abgelehnt. Neben Badern übernahmen deshalb auch Henker das, wie es damals hieß, "unehrliche" Handwerk der Wundversorgung und einfachen Chirurgie.

Obwohl die Bevölkerung die praktischen Erfahrungen der chirurgischen Laien schätzte, blieben sie lange Zeit sozial ausgegrenzt. Mit der zunehmenden Professionalisierung der Medizin lösten sich die Ressentiments langsam auf. Heute sind Chirurgen ein wichtiger Teil der Ärzteschaft.

Service

Podcast abonnieren

Sendereihe

Gestaltung

  • Andreas Wolf