Journal-Panorama
Japans Strafvollzug - Reform ohne Wandel?
Der neue Schwerpunkt liegt auf der Resozialiserung - zumindest in der Theorie.
2. November 2026, 18:25
Im Juni 2025 trat in Japan die erste grundlegende Reform des Strafvollzugs seit 119 Jahren in Kraft. Arbeit in Haft soll nicht länger bloß Strafe sein, sondern Teil einer individuellen Behandlung, die Rückfälle verhindert und auf ein Leben nach der Haft vorbereitet. Ein gutes Jahr später stellt sich die Frage, ob sich das System tatsächlich verändert hat: Wie setzen Gefängnisse die neue Freiheitsstrafe um, welche Rolle spielen Arbeit, Therapie, Ausbildung und psychologische Betreuung heute, und warum bestimmen Disziplin, Schweigen und Gehorsam den Gefängnisalltag vielerorts weiterhin?
Der Blick in das Frauengefängnis Tochigi dient dabei als Beispiel für strukturelle Probleme: Gefangene sind oft krank, die medizinische Versorgung mangelhaft, und für lebenslang Inhaftierte gibt es kaum Perspektiven. Ob Resozialisierung in einem System gelingen kann, das Gefangene vor allem kontrolliert, bleibt fraglich. Ist die Reform also gescheitert?
Gestaltung: Martin Fritz
