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Punkt eins
Tränen lügen nicht - oder doch?
Warum wir weinen müssen und das manchmal nicht wollen. Gast: Teresa Präauer, Autorin, Künstlerin und Germanistin. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
6. November 2026, 13:00
Wann haben Sie das letzte Mal geweint? Diese Frage stellt sich die Autorin und Künstlerin Teresa Präauer seit geraumer Zeit öfter - seit sie sich eingehender mit Tränen, Rührung und Heulkrämpfen beschäftigt. Die Antworten: Bei einer Beerdigung, bei der Physiotherapie, ausschließlich aus Wut, wegen des Ex-Partners. Die Ergebnisse ihrer Befragungen und Recherchen hat Teresa Präauer vor kurzem in einem neuen Buch veröffentlich. In "Nie mehr weinen" präsentiert sie "Tränenkunde für Fortgeschrittene" und erkundet das menschliche Gefühlsleben.
Während Kinder in der Öffentlichkeit oft recht ungehemmt weinen, ist ein tränenüberströmtes Gesicht für Erwachsene oft unangenehm. Zumindest die sogenannten emotionalen Tränen. Die kommen - anders als die zwei anderen Tränenarten - nur beim Menschen vor, nicht bei Tieren. Basale Tränen befeuchten das Auge und reinigen die Hornhaut, reflektorische Tränen kullern bei Reizungen wie starkem Wind oder frisch geschnittenen Zwiebeln. Emotionale Tränen fließen wegen Liebeskummer und Heimweh, Wut und Ohnmachtsgefühlen, Angst und Sorgen, Freude und Rührung.
Nicht nur die Ursachen der drei Tränenformen unterscheiden sich, sondern auch deren Zusammensetzung: Sie bestehen aus Wasser sowie verschiedenen Eiweißen, Fetten und Elektrolyten bzw. Salzen, doch das Verhältnis der Bestandteile variiert. Emotionale Tränen sind etwa die proteinreichsten. Zwar tragen alle drei Tränenarten dazu bei, das Auge feucht zu halten, doch auch Menschen, die viel weinen, können trockene Augen haben. Denn um die Horn- und Bindehaut ausreichend zu befeuchten, braucht es auch eine intakte Schleim- und Fettschicht, die nichts mit fließenden Tränen zu tun hat.
Welche Funktion die emotionalen Tränen nun für die Gesundheit haben, ist nach wie vor Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Dass sie, wie Charles Darwin einst behauptete, für die Psyche nutzlos seien, ist widerlegt. Sie sind in jedem Fall Mittel sozialer Kommunikation, signalisieren Verzweiflung oder Hilflosigkeit und können bei den Mitmenschen Empathie fördern. Es gibt Studien, die zeigen, dass Menschen gegenüber weinenden Personen hilfsbereiter sind bzw. dass sich Menschen wohler fühlen, wenn sie weinen, weil sie dann Trost empfangen oder Unterstützung bekommen.
Doch profitiert die mentale Gesundheit direkt davon, wenn Tränen kullern und negative Gefühle sichtbar werden? Entlastet das Weinen die Psyche? Oder kann es auch dazu beitragen, Gefühle zu überspielen oder zu unterdrücken? Was bringt uns zum Weinen? Und können Tränen eine Waffe sein?
Über diese Fragen spricht Marlene Nowotny mit Teresa Präauer. Und mit Ihnen: Wann haben Sie zum letzten Mal geweint? Und haben Sie den Wunsch, nie mehr weinen zu müssen? Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at
Service
"Nie mehr weinen. Tränenkunde für Fortgeschrittene" von Teresa Präauer ist im Residenzverlag erschienen. ISBN: 9783701736645
Veranstaltungstipp: Am 11. November 2026 bereiten Teresa Präauer und Silke Felber anlässlich des Erscheinens ihres Essays gemeinsam Zwiebelbrote zu und diskutieren über das Weinen in der ifk Arkade ab 18.30 Uhr. Im Anschluss Zwiebelbrote und Wein.
