Dacia Maraini

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Menschenbilder

Dacia Maraini zum 90. Geburtstag

Von der Schönheit der Aufrichtigkeit. Ein Besuch bei der italienischen Autorin in Rom

Sie kann als Grande Dame der italienischen Literatur gelten - geschätzt für ihr vielfältiges Werk, gefragt als Zeitzeugin und geachtet für ihr gesellschaftliches Engagement. Am 22. November wird ihr im Rahmen der Europäischen Literaturtage in Krems der Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels 2026 verliehen. In der Begründung heißt es: "Seit mehr als sechs Jahrzehnten zählt Dacia Maraini zu den bedeutendsten Autorinnen Italiens. In Romanen, Erzählungen, Gedichten und Theaterstücken hat sie jenen eine Stimme verliehen, die allzu oft übersehen werden. (.) Der Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln würdigt daher nicht nur eine große Autorin, sondern eine europäische Stimme des Respekts, der Freiheit und des friedlichen Miteinanders."

Dacia Maraini, geboren am 13. November 1936 in Fiesole bei Florenz, übersiedelt in früher Kindheit nach Japan. Ihr Vater, der berühmte Anthropologe, Bergsteiger, Autor und Fotograf Fosco Maraini, forscht und lehrt in Sapporo und Kyoto. Der friedliche Alltag und das Erleben japanischer Kultur schlagen um, als Italien im Zweiten Weltkrieg mit den Alliierten Waffenstillstand schließt: Marainis Eltern lehnen es ab, den Faschisten Treue zu schwören, die Familie wird daraufhin in einem Konzentrationslager interniert.

Ausgehungert und erschöpft finden die Heimkehrer nach dem Krieg Zuflucht auf Sizilien, bei den Großeltern mütterlicherseits. Dacia Maraini wird ihre Jugendjahre auf der Insel, die Farben Siziliens wie die düsteren sozialen Verhältnisse in ihren Büchern festhalten: im preisgekrönten Roman "Die stumme Herzogin" über das Leben ihrer Vorfahrin Marianna Ucrìa im 18. Jahrhundert, oder auch in der autobiographischen Erzählung "Bagheria".

Vor der patriarchalischen sizilianischen Gesellschaft der 1950er Jahre flieht sie nach Rom - wo Federico Fellini seine Filme dreht, Pier Paolo Pasolini Stücke auf die Bühne und die Leinwand bringt, Elsa Morante vielbesprochene Bücher veröffentlicht. Schnell ist sie mit ihnen befreundet und Teil der Zirkel von Künstlerinnen, Regisseuren, Schauspielerinnen; zuerst mit dem Maler Lucio Pozzi verheiratet, danach lange mit dem Schriftsteller Alberto Moravia liiert.

So breitgefächert wie Dacia Marainis Freundeskreis ist ihre eigene literarische Tätigkeit: Sie gründet Literaturzeitschriften, später das Teatro della Maddalena, geführt von Frauen. Ihr Werk umfasst Romane und Erzählungen, Gedichte und Kinderbücher, Essays, Theaterstück und Drehbücher sowie Gespräche mit Persönlichkeiten des italienischen Geistes- und Kulturlebens - ebenso lang wie die Liste der Veröffentlichungen ist jene der Auszeichnungen, die Dacia Maraini dafür erhalten hat.

In ihrer Wohnung in Rom blickt Dacia Maraini für dieses "Menschenbild" zurück auf ein langes und bis heute aktives Leben. Die "Menschenbilder" bringen aus zweifachem Anlass ein Porträt, das zum ersten Mal im Frühling 2022 ausgestrahlt wurde. Die deutschen Übersetzungen spricht Sona MacDonald.

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