Stimmen hören

"Kraftwerk" und Emotions-Künstlerin

Die unvergessene Leonie Rysanek, Weltstar aus Wien

War Leonie Rysanek eine österreichische Maria Callas? Jeder Vergleich hinkt, aber . die vor 100 Jahren geborene Wienerin setzte nach fulminantem Karriere-Start (Sieglinde bei den ersten Bayreuther Nachkriegs-Festspielen, Zusammenarbeit mit Wilhelm Furtwängler) parallel auf Wagner, Verdi, Verismo, war wie Callas Fidelio-Leonore und Cherubinis Medea, hielt sich wie Callas mit Mozart wenig auf, und wenn sie anders als die US-Griechin keine Belcanto-Ambitionen hatte, so lebte sie sich umso intensiver in die Schönheiten ihrer Strauss-Rollen ein. Auch jähe gesundheitliche Abstürze samt Karriere-Unterbrechungen erlebte Leonie Rysanek schon in jungen Jahren. Worauf wieder Auftritte von weißglühender Intensität folgten, mit denen "die Leonie" in ihrer Generation und in ihrem Fach - das heißt: keine Isolde und keine Brünnhilde, Elektra nur vor Mikrophonen - konkurrenzlos blieb. Über Jahrzehnte gehörte Leonie Rysanek als Kaiserin fix zu Karl Böhms "Frau ohne Schatten"-Kernteam; ihre Salome geriet zugleich zum Rysanek-Psychogramm; wer von der Lebensgier ihrer Chrysothemis nicht mitgerissen war, verdiente nicht, "Opernfan" genannt zu werden. Gesangstechnisches Vorbild für die nachrückende Generation war Leonie Rysanek sicher nicht - aber quel "monstre sacré" einer lebendigen Opernbühne!

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel