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Richard Strauss' Attacke aufs Münchnerische Philistertum

Jung, anti-bürgerlich und angriffslustig: ein Wagnerianer emanzipiert sich

Nachdem Richard Strauss eigener Einschätzung nach den (überhaupt recht papierern auf "Lohengrin" und "Parsifal" machenden) Ritter "Guntram" seiner heute vollkommen vergessenen Erstlingsoper mit dem eigenen übergroßen Orchester "erschlagen" hatte, schlug er einen komplett anderen Kurs ein. Er tat sich mit dem Dichter Ernst von Wolzogen zusammen, der in der Münchner Bohème umging und eben einen Roman "Das dritte Geschlecht" herausgebracht hatte. Wolzogen war dabei, in Berlin, wo Strauss "kapellmeisterte", mit dem "Überbrettl" das erste deutschsprachige Cabaret aufzuziehen, als Strauss ihn zu seinem Librettisten erkor - für ein Werk, in dem er es München, seiner (so wie einst Richard Wagner auch ihn verschmähenden?) Geburtsstadt, so richig "hineinsagen" wollte. Des unverstandenen Künstlers Alter Ego: der Magier Kunrad, der überall in der Stadt Feuer und Licht ausgehen lässt. Nur die Liebe kann es wieder entfachen, und für diese Aufgabe findet sich, in reuiger Hingabe, Diemut . In der musikalischen Umsetzung wird da ein Füllhorn ausgeschüttet: opulentes Orchester, leuchtende Klangfarben, schwelgerische Kantilenen, dazwischen "Krachledernes" - aber auch beißende Satire, gespickt mit Wagner-und Eigenzitaten, ein Opern-Gegenstück also zum symphonischen "Heldenleben". "Feuersnot" ist kurz, komplex, auf vielen Ebenen fordernd - schönste Voraussetzungen, um wieder kein Erfolg zu werden. So passierte es auch 1901 in Dresden bei der Uraufführung - aber am Aufnahme-Sektor wurde das Werk seit den 1950er Jahren erstaunlich gut bedient, mit variantenreichen Besetzungen der zentralen Bariton- und Sopranpartie.

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel