Spielräume Spezial
60 Jahre Wah-Wah
Das Pedal, das E-Gitarren hecheln und heulen ließ
29. November 2026, 17:10
Der Siegeszug der Beatles in den USA bescherte nicht nur vielen weiteren britischen Bands Erfolge in Übersee, auch der 1957 gegründete Orgel- und Verstärker-Hersteller Vox aus Kent, dessen Verstärker Lennon, Harrison und McCartney benutzten, profitierte enorm von der "British Invasion". Vox wurde vom kleinen Betrieb zu einem Firmenimperium mit Joint Ventures in Übersee, etwa mit der Warwick Electronics Inc./Thomas Organ Company, die die englischen Verstärker in den USA nicht nur vertrieb, sondern neben den eigenen elektronischen Orgeln zum Teil auch selbst weiterentwickelte und produzierte.
Im November 1966 kam es in Kalifornien beim technischen Redesign des Gitarrenverstärkers "Vox Super Beatle" zu einer Zufallsentdeckung, die in eine bahnbrechende Erfindung mündete. Beim akustischen Test einer Schaltung, bei der Vakuumröhren durch Transistoren ersetzt worden waren, entstand ein faszinierender Klangeffekt. Sofort machte man sich daran, diese Schaltung in ein Lautstärke-Pedal der Thomas-Orgeln einzubauen. Damit war das Wah-Wah-Pedal erfunden.
Die Ironie dabei: Da der Klang des neuen Effekts an das aktive "Wah-Wah-Spiel" mit dem Dämpfer bei Trompeten und Posaunen erinnerte und Geschäftsführer Joe Banaron ein Fan von Bigband-Jazz war, wurde das brandneue Produkt zunächst einmal als Innovation für Blasinstrumente beworben. Und so trug das im Februar 1967 der Öffentlichkeit vorgestellte erste Modell des Pedals noch den Namen und das stilisierte Portrait von Trompeter Clyde McCoy. Miterfinder Del Casher aber war von Anfang an überzeugt gewesen, dass das Pedal in erster Linie das E-Gitarrenspiel revolutionieren würde. Und schon wenige Monate nach der Markteinführung bewies die Musik von Eric Clapton, Frank Zappa, Jimi Hendrix und anderen, wie recht er gehabt hatte.
Sendereihe
Gestaltung
- Michael Neuhauser
