Ö1 Hörspiel
"Jakobs Fische" von Sophie Reyer
Sophie Reyer, eine der produktivsten Schriftstellerinnen Österreichs, beschreibt das Leben des Autisten Jakob. Gemeinsam mit seiner Schwester Resi erzählt er vom Zauber der Natur, von zwiespältigen Erinnerungen und väterlicher Gewalt.
5. Dezember 2026, 14:00
"Ich hab es nicht so mit den Worten", sagt Jakob. Er ist Autist. Die Welt kommt ihm oft zu nahe, Gesichter schieben sich in seinen Blick. Menschen stören "in einer Landschaft aus Strukturen, Anordnungen". Buchstaben dagegen sind gut. Das A - der einzige Laut, der ihm oft bleibt - gibt Halt.
Jakob wächst mit seinen Schwestern Resi und Agathe und den Eltern auf dem Land auf. Resi ist die Einzige, die ihn versteht oder zumindest verstehen will; bei ihr findet er eine "Wölbung", einen Unterschlupf. Sein Zufluchtsort ist der Herzensgrund, "wo die Fische wohnen", die stumm sind und nicht zu nahe kommen. Zu Hause begegnen ihm die Gewalt des Vaters, die Lieblingstochter Agathe, die ihn verhöhnt, und eine Mutter, die sich kümmert und doch fern bleibt.
Als es für Jakob unerträglich wird, springt er aus dem Fenster - ein Suizidversuch, sagen die anderen. Nun lebt er in einer Klinik, zwischen Tabletten und Behandlungen, zu denen ein sogenannter NAO-Roboter gehört, der Autisten helfen soll. Das Stück gibt Jakob Worte, die er im "echten", fiktiven Leben nicht hat - ein "Fisch ohne Wasser", der trotzdem von seinem Leben erzählt.
"Jakobs Fische" von Sophie Reyer. Mit Marc Illich, Saskia Klar und Fanny Altenburger, Sound Design: Stefan Weber, Regie: Philip Scheiner (ORF 2026)
