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Kopfüber in die Zukunft. Diagonal zum Thema Risiko

Die Zukunft hätten wir schon immer gern im Griff gehabt und die Angst vor ihren Kapriolen ist keine Erfindung unserer Tage. Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben, sagt eine Volksweisheit. Eine Vollkaskoversicherung gleich fürs ganze Leben wünschen sich trotzdem viele. Wie halten wir es mit der Zukunft? +++ Anschl.: Diagonals feiner Musiksalon

Zwei von 7000. Mehr waren es am Ende nicht. Doch als britische Zeitungen meldeten, die Pille erhöhe das Thromboserisiko um 100 Prozent, setzten sie tausende Frauen ab. Tatsächlich erkrankten statt einer Person aus der Kontrollgruppe ohne Pille eben zwei aus 7000, die die Pille genommen hatten.

Aber 100 % klingt einfach erschreckend. Die Folge waren ungewollte Schwangerschaften und zehntausende zusätzliche Abtreibungen. Ein Missverständnis zwischen relativem und absolutem Risiko, mit Folgen für ein ganzes Land. So geschehen 1995 in Großbritannien.

Wie gehen wir mit dem Ungewissen um, wenn missverständlich kommunizierte Zahlen, Daten, Fakten uns mehr erschrecken als aufklären? Und was, wenn uns die Suche nach Sicherheit gar nicht schützt, sondern lähmt?

Andererseits brauchen wir halsbrecherische Aktionen in Wirtschaft und Politik, ausgehend von erratischen Staatenlenkern, auch nicht. Die Zukunftsforschung sagt: Es gibt die eine Zukunft nicht, sondern unzählige mögliche, und es geht nicht um Vorhersage, sondern um Vorbereitung, dafür entwickelt sie Szenarien.

Die Risikoforschung zeigt, dass wir Gefahren gern falsch einschätzen, ob in Medizin, Politik oder Alltag, und dass sich der kluge Umgang mit Wahrscheinlichkeiten lernen ließe, wenn man denn wollte. Philosophie und Kunst halten dagegen: Ohne Wagnis kein Leben, kein Lieben, kein Vertrauen.

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