Menschenbilder
Norbert Pühringer, Unternehmer und Philanthrop
Europa weiter denken: Ukraine. Bleiben und helfen. Der Unternehmer Norbert Pühringer
20. Dezember 2026, 14:05
Am 24. Februar 2022 stand Norbert Pühringers Unternehmen in der Ukraine vor dem Aus. Eine IT-Firma mit Zugang zu sensiblen Daten internationaler Unternehmen, die - so waren damals viele überzeugt - demnächst in russische Hände fallen würde, hatte keine Geschäftsgrundlage mehr.
Norbert Pühringer, seit 2003 in Lviv/Lemberg tätig und sesshaft geworden, stand kurz vor der Pension. Aus dem Kriegsgebiet nach Österreich zurückzukehren und seinen Lebensabend in Sicherheit zu verbringen, wäre naheliegend gewesen. Er entscheidet sich anders: verkauft seine Firma - und bleibt. Organisiert Unterkünfte für Geflüchtete, für Frauen und Kinder, die von der Front in Sicherheit gebracht worden sind, dann für alleinstehende ältere Menschen, die aus den Kriegsgebieten in die relativ ruhigere Westukraine kommen. Er sammelt Geld unter Freunden und Bekannten in Österreich, mietet und renoviert Wohnungen, tut vieles Handwerkliche selbst.
Derzeit sind es Studierende, die in einer großen Wohnung in der Lemberger Altstadt ein neues Zuhause finden. Viele von ihnen haben Angehörige verloren, Geschwister oder die Eltern. Es sei wichtig, betont Norbert Pühringer, dass sie im Land bleiben können, eine Ausbildung machen, eine Perspektive haben.
1959 wird Norbert Pühringer in einem kleinen Ort im nördlichen Mühlviertel geboren, "noch nicht im Wirtschaftswunder, jedenfalls nicht im Mühlviertel". Sein Großvater ist Zimmermann, der unter großen Opfern eine eigene Landwirtschaft aufbaut; der Vater schlägt sich mit verschiedenen Arbeiten durch, bis er endlich eine Anstellung bei der Post erhält.
Norbert Pühringer kann studieren, entscheidet sich für Politikwissenschaft mit einer Kombination aus Geschichte, Volkswirtschaft und Völkerrecht. Er arbeitet in verschiedenen Unternehmen, übernimmt Führungspositionen; von 1998-2002 ist er Geschäftsführer der Südwind-Agentur (davor Österreichischer Informationsdienst Entwicklungspolitik). Danach macht er sich, gleichzeitig mit dem Umzug nach Lemberg, mit eigener Firma selbstständig.
Die "Menschenbilder" besuchen Norbert Pühringer und seine Frau Natalja in ihrem Zuhause in der Ukraine. Sie haben in der Lemberger Vorstadt Wynnyky ein altes Haus renoviert und erweitert sowie einen großen Garten angelegt haben. Sie erzählen vom Alltag in einem Land im Krieg - und von dem Weg, den sie gefunden haben, damit umzugehen: andere zu unterstützen und von der Angst ins Handeln zu kommen.
