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Musik

Jet Lag All Stars Radio Show

In den Parklücken der Aufmerksamkeit

Der Jetlag gehört zum Pauschalarrangement unserer Aufmerksamkeit. Obwohl gerade angekommen, sind wir noch nicht da. Die Jet Lag All Stars bringen ein Nachtradio für alle Kreaturen der Nacht, für die Lenkenden und Beifahrenden, wo immer sie die Nacht durchqueren.

Einparken - Ausparken

Woraus unsere Tage bestehen: Einparken - Ausparken. Mit mehr oder weniger Geduld und Geschick versuchen wir zu verhindern, mit anderen zusammenzustoßen. Mit anderen, die selbst gar nicht da sind, wo wir um sie herumtänzeln. Im Arrangement der Ansprüche gilt es, stets da zu sein und auch woanders: Wir leben in der Parklücke.

Der Jetlag gehört zum Pauschalarrangement unserer Aufmerksamkeit. Obwohl gerade angekommen, sind wir noch nicht da. Und schon fort, ertappen wir uns noch hier. Dazwischen, mit Goethe zum Beispiel immer auf dem Weg Richtung Rom, zwischen Tag und Nacht, Wachen und Schlafen, Aufmerksamkeit und Zerstreuung. Nicht wissend, ob wir träumen, dass wir Radio hören, oder im Radio hören, dass wir träumen.

Wenn also alle Welt morgens das Radio aufdreht, wird dann die Erwartung hörbar, dass Radio die Welt nicht repräsentieren darf, sondern uns im Aufwachen "nur" die Hand halten soll? Das Radio ist der Apparat, der unsere Selbst-Wahrnehmung mit der Selbst-Behauptung synchronisiert. So beginnen wir jeden Tag mit neuer Energie: Einparken - Ausparken. Und wir lieben es, nach Gehör ein- und auszuparken.

Das Radio ist der Apparat, der uns die schnellsten Ausfahrten ermöglicht: die aufgewühltesten wie die abgeklatschtesten Begegnungen im Gegenverkehr, die Notiz am Pannenstreifen, wo doch eigentlich ein Halteverbot gilt, außer in Notfällen. Doch wir halten nicht in Not, sondern weil wir uns aus dem Fluss des Gegebenen herausnehmen. Es ist Musik, die bleibt, und ein paar Bemerkungen daneben.

Die Hände noch auf dem Lenkrad, das Armaturenbrett ist Schema unserer Emotionskontrolle, hören wir die Paraden an unseren im Off geparkten Seelen vorbei schwanken. Braucht es einen guten Grund zum Tanzen, oder ist das Tanzen selbst Grund genug für eine Gesellschaft? Die Hände der anderen, die sich selbst berühren, sind unsere Hände, die gleichen, die jetzt wieder die Handbremse lösen.

Der Jetlag von Anfang an: Einparken - Ausparken. Wir lernen, uns mit der Welt zu synchronisieren und dabei nicht unterzugehen. Die Welt auf den Kopf stellen, ohne von ihr herunterzufallen: Die Jet Lag All Stars verbinden Anfang und Ende der Nacht, Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Von unseren Gesprächspartnern sieht einer in die untergehende, der andere in die aufgehende Sonne. Sie stehen mit dem Rücken zur Nacht, aus deren Mitte sie senden. Allein durch das Munter-bleiben kann man ein anderer werden.

Die Jet Lag All Stars bringen ein Nachtradio für alle Kreaturen der Nacht, für die Lenkenden und Beifahrenden, wo immer sie die Nacht durchqueren.

Die Jet Lag All Stars sind: Robert Czepel, Rainer Elstner, Alexander Ach Schuh, Thomas Tesar, Elke Tschaikner und Klaus Wienerroither.

Gestaltung: Alexander Ach Schuh · 01.06.2011

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