Theater Olé

In unserer Serie "Theater im Abseits - Kleinbühnen im Porträt" stellen wir Ihnen das Theater Olé in Wien vor. Dieses Theater, das seit genau drei Jahren besteht, hat dem Genre Clowntheater einen fixen Platz und ein festes Haus eingeräumt - und ist damit einzigartig in ganz Österreich.

Kulturjournal, 17.11.2011

Die Siebtelbauern sind seit Stefan Ruzowitzkys Film ein Begriff, die Sechsteldirektoren sind weniger bekannt. Doch genau die führen das Theater Olé in Wien. Drei Direktorinnen und drei Direktoren verwalten gemeinsam den winzigen Kellerraum in der Beatrixgasse, der auf knapp 50 Quadratmetern Zuschauerraum, Bühne, Buffet, Kassa und Garderobe beherbergt und erfüllen in Personalunion und basisdemokratisch gleich mehrere Funktionen: Sie sind Manager und Kloputzer, Bühnenkünstler und Kartenabreißer, Programmverkäufer und Garderobieren.

Martin Kotal ist einer von ihnen: "Es schon, wenn man hier herunterkommt, ein einmaliges Bild, wenn man sieht, dass die Direktorinnen überall involviert sind. Die Leute kriegen auch mit, dass das unser Wohnzimmer ist."

Österreichs einziges Clowntheater

Hinter diesem Wohnzimmer befindet sich die Künstlergarderobe, ein kleiner bis oben mit Requisiten vollgestopfter Raum. Eine Trompete, ein Strauß Papierblumen, ein kaputtes Fahrrad, ein Koffer voll Süßigkeiten und natürlich eine rote Nase verraten, dass es sich um keine gewöhnliche Bühne handelt, sondern um Österreichs einziges Clowntheater - und wer jetzt an Kindertheater oder Zirkus denkt, liegt falsch.

"In unserem Gästebuch steht x-Mal zu lesen: Ich mag eigentlich überhaupt keine Clowns, aber das war irrsinnig schön", erzählt Pete Belcher. "Es gibt eine Schwellenangst", sagt Verena Wondrak. "Was erwartet mich da, muss ich vielleicht mitspielen? Manche machen einen Vergleich mit den Clowns im Zirkus - das ist natürlich ein ganz anderer Rahmen, der ist viel kleiner, man kann viel sensibler spielen, man schaut mehr auf Details als die Zirkus-Clowns."

Gastspiele

Vor drei Jahren hat man das Haus in der Beatrixgasse gefunden, nachdem das LEO - das letzte erfreuliche Operntheater - in die benachbarte Ungargasse gezogen ist. Seit November 2008 bespielt man es mit großen Varieté Programmen, Clownsolos und Duos, und Gastproduktionen. Die Gäste seien gern hier, weil es in vielen anderen Städten, etwa in New York, kein vergleichbares Haus gäbe, so Wondrak.

Clowntheater hat in Österreich keine Tradition. Anders als etwa in England, Frankreich oder der Schweiz, wird es hierzulande immer noch mit Zirkus oder Boulevard in Verbindung gebracht. Und weil Kunst, die lustig ist, suspekt wirkt, hat man die Förderansuchen mittlerweile aufgegeben, so Hubertus Zorell: "Wir sind ein Chaotenhaufen. Alles, was wir gerne tun, ist uns hier aufhalten, zusammen arbeiten und auftreten. Das macht uns Spaß. Was uns keinen Spaß macht, ist, bei der Kulturpolitik zu antichambrieren."

Keine Subventionen

Und so kommt das Theater Olé gänzlich ohne Subvention aus. Auch eine Standortförderung, die der Stadtrat oft kleinen Häusern gewährt, die keine Juryempfehlung aufweisen können, bekommt man nicht. Und weil man sich ausrechnen kann, dass ein Theater mit 30 Zuschauerplätzen und sechs Direktoren alles andere als Gewinnbringend ist, sind alle Direktoren auch anderweitig beschäftigt - als Cliniclowns und Schauspieler, Regisseure oder Clowntrainer.

Seit einer Woche zeigt man das Programm "Cirque d'Olé - begnadete Körper" -eine große Varieté-Show, bei der alle auf der Bühne stehen.

"Wenn sie jetzt unsere Direktoren sehen könnten, dann würden sie jetzt schon lachen, weil dass wir keinen begnadeten Körper haben, das sieht man. Wir setzen uns auf dieses Klischee drauf und machen tatsächlich Zirkus, oder geben vor Zirkus zu machen. Und dass es dann nicht so wird, wie man sich Zirkus erwartet, das liegt auf der Hand, zumindest für unser Stammpublikum."

Und das kommt immer wieder- denn die Freude der Theatermacher an der gemeinsamen Arbeit und die gute Atmosphäre übertragen sich als positive Stimmung auf das Publikum.

Schillerndes Theater

Die Wiener Theaterlandschaft hat ein reiches Spektrum zu bieten, ist vielfältig, facettenreich und bunt. Das Theater Olé ist auf dieser riesigen Farbpalette ein kleiner - aber mit Sicherheit der schillerndste Punkt.

Textfassung: Rainer Elstner

Service

Die nächste Vorstellung des aktuellen Programmes "Cirque d'Olé" findet am 1. Dezember 2011 statt.

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