Muthspiel Trio spielt "Against the Wind"
Pirchner und Pepl
Christian Muthspiel hat mit seinem Trio einen neue CD herausgebracht: "Against the Wind". Die Musiker spielen Werke der früh verstorbenen Komponisten Harry Pepl und Werner Pirchner. Muthspiel ist nun auch als Maler an die Öffentlichkeit gegangen.
8. April 2017, 21:58
Christian Muthspiel über Pirchners Film und das Malen
Christian Muthspiel betätigt sich seit Jahren höchst erfolgreich an Posaune, Klavier, Electronics und mit seiner Stimme, dirigiert eigene und fremde Werke und schreibt fast unentwegt neue Auftragskompositionen.
Seit kurzem zeigt er eine neue Facette seiner künstlerischen Kreativität: Im Grazer ORF-Landesstudio werden seine Malereien hinter Glas in Fenstern ausgestellt. Was als kleines privates Hobby zur Entspannung begann, gelangt nun erstmals auch an die Öffentlichkeit.
Im "Klassik-Treffpunkt" berichtete Muthspiel im Gespräch mit Haide Tenner auch über seine brandneue CD "Against the Wind".
Haide Tenner: Diese CD basiert auf Musik von Harry Pepl und Werner Pirchner, bezieht ihre Inspiration aus sehr österreichischen Klängen. Dieses Trio, das diese CD interpretiert, spielt in einer unüblichen Zusammensetzung. Wie kam's dazu?
Christian Muthspiel: Ich hatte vor zwei Jahren eine Einladung zum Gedenken an Werner Pirchner in Hall in Tirol das Pepl/Pirchner-Programm gemeinsam mit meinem Bruder zu spielen. Der war zu dieser Zeit in Hong Kong, daher war klar, dass wir das nicht machen können. Ich wollte da eine neue Besetzung ausprobieren. Und natürlich sollte Vibrafon dabei sein, wenn's um Werner Pirchner geht, der ein sehr großer Vibrafonist war und das aufgegeben hat zu Gunsten des reinen Komponistendaseins.
Ich habe meinen Freund Franck Tortiller am Vibrafon und den Bassisten Georg Breinschmid eingeladen, das gemeinsam zu versuchen. Wir haben nach zehn Minuten in der ersten Probe gemerkt, dass das jetzt eine Band ist. Die Musik von Pepl und Pirchner hat sich angefühlt, als hätten wir sie selbst für uns geschrieben. Man merkt in einer Jazzband schnell: Was fühlt sich natürlich an. Das Besondere für mich: Es ist eine sehr rhythmusbezogene Band, aber ohne Schlagzeug. Alle drei Musiker sind es gewohnt, ohne Schlagzeug zu spielen.
Der, der den Rhythmus macht, Georg Breinschmid, der hat ja eine ganz besondere Geschichte...
Ja, er war Mitglied der Wiener Philharmoniker und hat dann - ich glaub da haben viele die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen - die Orchesterstelle gekündigt, um freischaffender Jazzmusiker zu werden. Ein Schritt, den ich sehr bewundere und der auch voll aufgegangen ist. Er ist inzwischen sicher einer der meist gefragtesten Bassisten in der Jazz-Szene. Er behandelt den Kontrabass wie eine Violine, er ist technisch völlig unabhängig. Wir sind alle drei Musiker, die nicht nur im Jazz-Bereich, sonder auch im Bereich der Neuen Musik und der klassischen Musik tätig sind. Deshalb haben wir ein sehr großes Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten.
Am Freitagabend hat ein Konzert mit diesem Trio stattgefunden. Dabei wurde der dazugehörige Film von Werner Pirchner gezeigt, "Der Untergang des Alpenlandes". In den 1970er Jahren hat dieser Film unglaubliche Diskussionen und heftige Reaktionen ausgelöst. Wie waren die Reaktionen am Freitag?
Jetzt ist das natürlich ein historischer Blick auf diesen 70er-Jahre-Film. Das Schöne ist: Die Dinge sind im Prinzip noch immer relevant - die Kritik an gewissen Zuständen, an gewissen Machtverhältnissen. Es geht in dem Film in erster Linie um das Tirol der 70er Jahre, um die Kirche, um die Schule, um die Schützen. Also "Heimat, Scholle, Vaterland", so Werner Pirchner.
Damals wurden dem Werner Pirchner für diesen Film zweimal die Autoreifen aufgeschlitzt. Das hat schon eine gesellschaftliche Relevanz gehabt. Es gab auch wirkliche Interventionsversuche von Seiten der Tiroler Landesregierung, dass dieser Film nicht gesendet wird.
CD-Tipp
Christian Muthspiel Trio, "Against the Wind", Universal Music, 0602517229419
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Christian Muthspiel
