Wolfgang Slapansky über Arbeiten in der Globalisierung.
working_world.net
Die Arbeitswelt hat innerhalb weniger Jahrzehnte einen dramatischen Wandel erfahren. Von der Arbeitsgesellschaft mit Hochöfen und Fließbändern müssen wir uns bald endgültig verabschieden. Nun ist es an der Zeit, von "Postindustriekultur" zu sprechen.
8. April 2017, 21:58
Menschenleere Produktionsstraßen sind etwa in der Autoindustrie zum Regelfall geworden. Überall Rationalisierungen, immer weniger Jobs für immer mehr Menschen. Jobs auf Zeit scheinen der Regelfall geworden zu sein. Die Zukunft ist für viele nicht mehr planbar.
Das Tempo der Veränderungen ist rasant und hinterlässt eine allgegenwärtige Verunsicherung. Von der über mehr als hundert Jahren dominierenden Arbeitsgesellschaft mit Schornsteinen und Hochöfen, von Transmissionen und Fließbändern müssen wir uns auf kurz oder lang endgültig verabschieden. Nun ist es an der Zeit, von "Postindustriekultur" zu sprechen.
Die museale Präsentation der Zukunft der Arbeit
Stahlwerke werden zu Erlebniswelten, Schlackehalden zu Ausflugsgebieten. Industrieregionen verändern sich dramatisch. In Steyr in Oberösterreich wird nun die postindustrielle Arbeitskultur museal aufgearbeitet. Steyr, selbst eine alte Industriestadt mit einer Jahrhunderte langen Tradition in der Eisenverarbeitung, ist zum Trendbarometer der neuen Arbeit geworden.
Das Museum Arbeitswelt im Wehrgraben von Steyr bietet seit Juni eine völlig neu konzipierte Dauerausstellung. "working_world.net" ist nicht mehr eine Frage nach dem Wohin der Arbeitsgesellschaft. Das Zauberwort der weltweiten Verzahnung von Produktion und Distribution ist die Globalisierung.
Industriebeschäftigung ist dramatisch gesunken
Nimmt man den Anteil der Beschäftigten in der Industrie und in den Dienstleistungen als Maßstab für die Beschreibung der ökonomischen Entwicklung, so zeigen sich für die westeuropäischen Gesellschaften in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts grundlegende Veränderungen. Damals waren in Industrie und Dienstleistungen jeweils rund 40 Prozent der Arbeitnehmer beschäftigt. Drei Jahrzehnte später ist der Anteil der Industriebeschäftigten auf 20 Prozent gesunken, jener der Dienstleistungsbeschäftigten jedoch auf 70 Prozent angestiegen.
Das bedeutet nicht, dass weniger produziert wird, ganz im Gegenteil, es werden immer mehr Produkte erzeugt, doch was sich dramatisch verändert, ist die Zahl der Beschäftigten in der Produktion.
Neue Verteilung des Wohlstands gefordert
Flexibel soll der Mensch sein, mobil, jederzeit abrufbar und einsetzbar. Das ist eine Forderung, die immer häufiger an jene Menschen herangetragen wird, die Arbeit suchen, die in den alten Arbeitsstrukturen keinen Platz mehr haben oder neu in die Arbeitswelt einsteigen, so Konrad Becker, Leiter des Instituts für neue Kulturtechnologien in Wien. Er spricht von einem neuen digitalen Proletariat, das im entstehen ist.
In einem Status ständiger Erreichbarkeit und Verfügbarkeit würden Die sich verändernden ökonomischen Strukturen die Frage nach einer gerechten Verteilung des Wohlstands und der Teilhabe an den Produktionsmitteln erneut aufwerfen. Denn Information selbst ist zu einem der wichtigsten Wirtschaftsgüter geworden. Somit werde Wissen zu einem Wert und einer Ressource, die von den Unternehmen gehandelt und zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen benötigt werde.
Grenzenlose Mobilität
Die grenzenlose Mobilität betrifft nicht nur die Daten- und Kommunikationsströme, sondern auch das Kapital. Das Kapital ist auf der ständigen Suche nach Plätzen, an denen noch bessere Verwertungsmöglichkeiten bestehen.
Das Kapital ist grenzenlos mobil, nationalstaatliche Grenzen spielen für Unternehmen immer weniger Rolle. Ganz anders ist es mit nationalstaatlichen Grenzen für Menschen, die aus armen Regionen der Welt in die reichen drängen. Auch das wird ein wichtiger Aspekt der Arbeit der Zukunft sein, nämlich wie sich Reichtum und Wohlstand weltweit verteilt.
Hör-Tipp
Dimensionen, Mittwoch, 4. Oktober 2006, 19:05 Uhr
Download-Tipp
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Veranstaltungs-Tipp
"working_world.net", Ausstellung, Museum Arbeitswelt Steyr, Mittwoch, 7. Juni bis Mittwoch, 20. Dezember 2006, 9:00 bis 17:00 Uhr, Steyr
Link
Museum Steyr - working_world.net
