Von Mozart bis Metallica
Inselhüpfen
Die weltweit führenden Experten und Expertinnen im Bereich der Musikinformationsabfrage treffen bei der Konferenz "Music Information Retrieval" zusammen, um Entwicklungen zu intelligenten Computeranwendungen im digitalen Musikbereich zu diskutieren.
8. April 2017, 21:58
Bei der von der TU Wien, der Johannes Kepler Universität Linz und der Intelligent Music Processing Group des Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence organisierten Konferenz "Music Information Retrieval" werden bei einem wissenschaftlichen Wettbewerb sogar die neuesten Programme gegeneinander antreten, die zum Beispiel ein Musikstück mittels Melodiefragmenten finden können, die ein Benutzer in ein Mikrofon singt oder summt.
"Music Information Retrieval", zu Deutsch könnte man "Musikinformationsabfrage" dazu sagen, ist ein sehr weites Feld. Die Anwendungen reichen von Archiven, die die Verwaltung und Auffindung von Musikstücken verbessern wollen, über automatische Systeme zur Ausforschung von Plagiaten bis zu Programmen, die die Suche in Musikportalen erleichtern.
Potentielle Nutzer der Entwicklungen sind Archivare, Musiker, Musikliebhaber, DJs, Verlage oder Musikforscher. "Music Information Retrieval" ist ein relativ junger Forschungszweig, wird aber immer wichtiger, weil durch das Internet und digitale Medien Musik heutzutage vor allem digital in Datenbanken oder auf immer kleineren Geräten gespeichert und abgespielt wird.
Inselhüpfen auf der Musiklandkarte
Um die Suche auf Musikportalen oder in der eigenen digitalen Musiksammlung zu erleichtern und das Erstellen von Playlists für eine Party oder den Auftritt eines DJs zu erleichtern, hat das Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme der TU Wien eine Musiklandschaft entwickelt. Diese sieht tatsächlich wie eine Landschaft aus -mit verschieden großen und verschieden geformten grün-gelben Inseln in einem blauen Meer. Jede Insel steht für Musikstücke eines bestimmten Genres oder mit gewissen Ähnlichkeiten, die sich in der "darunter" liegenden Musik-Sammlung befindet.
Software ordnet Musiksammlung
Die Ordnung der Musik erfolgt dabei nicht durch den Menschen, sondern durch die am Institut entwickelte Software. Das Programm namens PlaySOM (SOM steht für Self Organizing Maps) wertet die Musik nach verschiedenen Gesichtspunkten wie Instrumentalisierung, Tempo, Rhythmus, Frequenz und so weiter aus, gruppiert die einzelnen Musikstücke und sorgt auch gleich für die Darstellung der Sammlung für intuitives Navigieren. In den Ecken befinden sich dabei die jeweiligen Extreme, also zum Beispiel rechts unten klassische Choräle, links oben elektronische Musik ohne Gesang mit starken Bässen und schnellem Rhythmus.
Musiklandschaft zum Mitnehmen
Die Musiklandkarte kann man sich auf einem Computer-Bildschirm und seit kurzem auch auf dem Display eines Mobiltelefons oder PDAs anzeigen lassen. Möchte man Musik abrufen, kann man entweder auf einen Punkt einer Insel tippen, oder mit einem Stift eine längere Linie über den Touchscreen ziehen -eine Art Wanderroute durch die Landschaft also. Das Programm wählt dann Musik entlang dieser Route aus und spielt die Musik dann ab - direkt vom Gerät oder auch via Stream von einem Musikportal oder dem Rechner daheim.
Derzeit ist die Musiklandschaft noch ein Prototyp, der bei der "Conference on Music Information Retrieval" an der TU Wien vorgestellt werden wird. In Kürze soll jedoch eine erste Version für den Alltagstest verfügbar sein.
Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 23. September 2007, 22:30 Uhr
Links
ISMIR 2007 - Konferenz-Website
PlaySOM
