Veronica Kaup-Hasler, Intendantin des steirischen herbst

"Der herbst wird kürzer und wärmer"

Wiener Festwochen, Burgtheater, Stadttheater Basel, das Festival Theaterformen in Hannover: Die Arbeit in den großen bildungsbürgerlichen Institutionen hat Veronica Kaup-Hasler schon hinter sich. Jetzt ist also der steirische herbst dran.

"Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck." Diese Zeile aus Peter Lichts gleichnamigem Lied steht auch auf einem Zettel an der Tür zum Büro Veronica Kaup-Haslers. Doch ein Sonnendeck ist hier im renovierten Palais Attems in der Grazer Sackstraße nur eine Wunschvorstellung - was es hier gibt, sind barocke Deckengemälde und hohe holzgetäfelte Räume, die sich im Winter kaum heizen lassen.

Die in Dresden geborene und in Wien aufgewachsene Theaterfrau hat unter Klaus Peymann am Burgtheater und unter Luc Bondy bei den Wiener Festwochen gearbeitet, hier war sie im Jahr 2000 maßgeblich am Zustandekommen des Schlingensief-Projekts der Ausländer-raus-Container neben der Wiener Oper beteiligt. Wiener Festwochen, Burgtheater, Stadttheater Basel, das Festival Theaterformen in Hannover - die Arbeit in den großen bildungsbürgerlichen Institutionen hat sie schon hinter sich. Jetzt also der steirische herbst.

Clever agiert

Über die neue Intendantin hört man in Graz kaum etwas Negatives. Die Art, wie sie auf die lokale Szene zugeht, zuhört, wird allgemein geschätzt, die Künstler fühlen sich von ihr mit Respekt behandelt. Die Langsamkeit der lokalen Politik hat ihr aber fast den letzten Nerv gezogen. Ein Dreivierteljahr dauerte es von ihrer Bestellung bis zur Vertragsunterzeichnung. Das lag an den politischen Querelen zwischen Stadt und Land, und das lag auch daran, dass der steirische herbst nach dem Kulturhauptstadtjahr 2003 schwer verschuldet war. So schwer verschuldet, dass er juristisch überhaupt neu gegründet werden musste. Dass ihr das geglückt ist, ist ihre Leistung schon vor dem ersten Festival, das sie inhaltlich gestaltet.

Die Arbeitsbedingungen in den neun Monaten der Vorbereitungszeit waren recht chaotisch, die längste Zeit stand ihr nicht einmal ein eigenes Büro zur Verfügung. In dieser Zeit hat sie, das wird allgemein anerkannt, ziemlich clever agiert. Sie hat sich nicht von der Politik zur Bespielung der großen und teuren List-Halle verpflichten lassen, sie hat auf der Einsetzung eines kaufmännischen Direktors bestanden und hat immer wieder zu verstehen gegeben: Gut, wenn's so nicht geht, dann mache ich es halt nicht. "Sie hat in dieser Zeit gute Nerven bewiesen und nur dort Kompromisse geschlossen, wo es unumgänglich war", sagt Frido Hütter, Kulturchef der "Kleinen Zeitung".

Auf die Konstanten besinnen

Als der steirische herbst 1968 gegründet wurde, da stand er recht einzigartig da. Heute, sagt Veronica Kaup-Hasler, gebe es viel mehr Veranstaltungen und Festivals, und sie stellt gleich selbst die Frage, wie man denn ein Festival in einer "über-eventisierten" Zeit gestalten könne. Ihre Antwort: Man müsse sich auf die Konstanten besinnen, die das Festival immer schon geprägt haben, auf die Diskurspflege und die Interdisziplinarität. Und man kann aus der Not, dass der steirische herbst wegen der Altlasten weniger Geld zur Verfügung hat, eine Tugend machen: Das Festival wird kürzer, vor allem die Wochenenden sollen verdichtet, der Herbst im Stadtleben als Ausnahmezustand wahrgenommen werden. Eine Stadt der Größe von Graz sei viel leichter für ein Festival mobilisierbar als das etwa bei Wiener Festwochen der Fall sein kann.

Im Künstlerhaus will sie einen neuen Herbst-Treffpunkt, ein Festivalzentrum schaffen. Der nordirische Künstler Stephen Craig wird das Gebäude innen umbauen und außen mit 2.600 Glühbirnen versehen - ein ironischer Verweis auf Konsumismus und Jahrmarktskultur. Und, dazu passend, wird vor dem Künstlerhaus ein Wohnwagenstandplatz angelegt. Im Rahmen der "Camp Show" werden jeden Tag fünf Wohnwägen mit Künstlern durch die Steiermark fahren und ihre Erfahrungen dokumentieren.