Konservierung der Originalsubstanz

Man darf Kunstwerken ihre Geschichte ansehen

Während früher zumeist versucht wurde, ein Werk möglichst so wiederherzustellen, wie es im Original ausgesehen hatte, geht man heute einen sanfteren Weg. Denn Restauratoren sind heute der Meinung, dass man Kunstwerken ihre Geschichte ansehen darf.

In Salzburg wird derzeit das Sattler-Panorama aus dem 19. Jahrhundert restauriert, das ab 26. Oktober 2005 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein soll. Dafür werden in mühevoller Kleinarbeit unzählige Farbschichten von früheren Restaurierungen abgetragen.

Das 26 Meter lange und fünf Meter hohe Panorama der Stadt Salzburg wurde von Johann Michael Sattler in den Jahren 1824 bis 1829 gemalt. Es zeigt einen Rundum-Blick auf die Stadt von der Festung Hohensalzburg aus. Johann Michael Sattler stellte das Panorama nach seiner Fertigstellung in Salzburg aus und zeigte es danach zehn Jahre lang an vielen Orten Europas.

Die intensive Reisetätigkeit und spätere Übersiedlungen haben dem Gemälde schwere Schäden zugefügt, die immer wieder restauriert wurden. Bis zu fünf Millimeter dick war die Schicht der Übermalungen, die von den Restauratoren der Wiener Ateliers Scheel/Prenner und Schloßgasse nun mühevoll entfernt werden mussten, weil sie das Gemälde schwer verunstaltet hatten.

Aus Fehlern lernen

Mit Schäden durch frühere Restaurierungen haben Restauratoren heutzutage mehr und mehr zu kämpfen. So genannte Parkettierungen - Holzleisten an der Rückseite von Tafelbildern oder Gemälden - sorgen für Verziehungen, Leinwand-Doublierungen für abbröckelnde Farbe oder Käferfraß, Übermalungen für unschöne Verfärbungen.

Die Geschichte der Restaurierung zeigt auf, welche Folgen einstmals gut gemeinte Maßnahmen haben können, und warnt die Restauratoren vor zukünftigen Fehlern.

Maßnahmen in kleinen Schritten

"Aus diesen Erfahrungen heraus tendieren wir heute eher zur Minimal-Intervention", sagt Gabriela Krist, Leiterin des Ordinariats für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst in Wien. Wichtig sei, die Substanz zu erhalten und die Lager- oder Ausstellbedingungen zu optimieren.

Restauratorische Maßnahmen würden nicht mehr so groß angelegt durchgeführt wie noch vor etwa 20 Jahren, sondern differenziert und in kleinen Schritten.

So werden heute auch nicht mehr - wie früher üblich - Firnisse zur Gänze abgenommen, sondern maximal auf weniger Schichten reduziert. Das schont die Originalsubstanz und gibt dem Betrachter weiterhin das Gefühl, ein altes Gemälde vor sich zu haben. Der Alterswert, so Krist, werde heute mehr geschätzt als früher.

Materialforschung wichtig

Um Alterungsprozesse von Gemälden und anderen Kunstwerken zu verstehen und nachteilige Eingriffe zu vermeiden, wird auch großer Wert auf naturwissenschaftliche Forschung gelegt. Über historische Materialien wie Ölfarben oder Firnisse liegen bereits eine Reihe von Studienergebnissen vor, nun gilt es, auch die Materialien der Modernen Kunst zu untersuchen.

"Wir wissen zum Beispiel noch sehr wenig darüber, wie Blut mit Leinwand reagiert oder wie stark die bekannten Marker ausbleichen", so Manfred Schreiner, Vorstand des Instituts für Naturwissenschaften und Technologie in der Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Die Akademie der Bildenden Künste hat deshalb einen Schwerpunkt zur Untersuchung der Alterungsprozesse moderner Materialien und deren Konservierung gesetzt.

Modernste Technik im Dienste der Kunst

Für die Untersuchung von historischen Kunstwerken werden heutzutage alle verfügbaren Methoden der Materialwissenschaften eingesetzt. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf zerstörungsfreien Methoden, wie Röntgenuntersuchungen oder Lasertechnologie.

Mit dem Einsatz von Lasern in der Konservierungswissenschaft beschäftigt sich im September auch ein internationaler Kongress in Wien.

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Links
Lacona VI - Konferenz über Laser in der Konservierungswissenschaft
Akademie der Bildenden Künste - Restaurierung
Sattler Salzburg-Panorama
Universität für Angewandte Kunst, Wien
Bundesdenkmalamt Österreich