Predigen und schmeicheln

I. Stangl, der Frauenflüsterer

Viele Frauen haben zwei Probleme: Sie sind zu intelligent und zu attraktiv für ihre Männer. Viele Männer haben ein Problem: nämlich solche Frauen. I. Stangl ist ein Mann wie ihn die Frauen lieben, und sei es als abschreckendes Beispiel.

16 Jahre alte Töchter sind ja beratungsresistent.

Der Frauenflüsterer hat sich zum Retter kriselnder Ehen und krachender Beziehungen ernannt. Er wirft sich zwischen die Fronten des Geschlechterkampfes und hat sich zum Ziel gesetzt, die durch Emanzipation und finanzielle Unabhängigkeit außer Rand und Band geratenen Frauen wieder in ihre Schranken zu weisen.

In ganz eigener Sprache

I. Stangl hat mit dem Frauenflüsterer, der jahrelange Recherche und viele Selbstversuche auf sich genommen hat, erstmals eine durchgehende Kunstfigur geschaffen. In diesem Soloprogramm, das bis April jeden Montag im Kabarett Niedermair zu sehen ist, steht nicht I. Stangl wie gewohnt auf der Bühne und wettert Kraft seiner Rolle als Kabarettist in gewohntem Idiom über das Leben, die Politik und die Unwegsamkeiten des Daseins an sich, nein, der Frauenflüsterer referiert, predigt, schmeichelt in einer für I. Stangl ganz neuen, ganz eigenen Sprache. Er verwendet erstmals nicht Dialekt, sondern ein "gemäßigtes" Hochdeutsch. Dadurch, meint er, "präziser" im Ausdruck sein zu können und klarer in der Formulierung bestimmter Umstände.

Tatsächlich ergibt sich durch die bewusste Verwendung der präziseren Sprache für I. Stangl eine größere Bandbreite an Differenzierungsmöglichkeiten einzelner Figuren, die manchmal nur satzweise, aber umso effektiver auftreten können. Jingles, Klangzeichen und Musikeinspielungen sorgen überdies für einen abwechslungsreichen und kurzweiligen Abend. Die Geschichten über Liebschaften und Trennungen, das Heimzahlen von Verletzungen und das Lamento vom angeknacksten männlichen Selbstbewusstsein, sowie die Sorgen um den Nachwuchs stoßen - auch wegen des Wiedererkennungseffektes - auf großen Zuspruch beim Publikum.

Selbstkritischer Blick zurück

"Der Frauenflüsterer" von und mit I. Stangl ist ein vergnüglicher Kabarettabend, der aber auch über genug Kanten und Brüche in der heiteren Stimmungslage verfügt, gerade wenn es um die Rekapitulation dessen geht, warum man so geworden ist, wie man ist. Da wagt der Frauenflüsterer durchaus einen selbstkritischen Blick zurück und rollt die eigene Familiengeschichte auf: die Selbstüberschätzung der Nazi-Großväter, das Schicksal der Trümmerfrauen und den Eigensinn der Flower-Power-bewegten IKEA-Generation. Auch der Blick in die Alzheimer-verdächtige Zukunft ist nicht gerade tröstlich.

Provozierend ist das Programm nicht, zumindest nicht für Frauen, denn die merken sehr schnell, dass I. Stangl eigentlich auf ihrer Seite steht. Und das ist man ja von ihm gewöhnt, nämlich, dass er sich eher mit den Unterprivilegierten verbündet, als mit den Alpha-Tieren der Gesellschaft.

Hör-Tipp
Contra, Sonntag, 2. Dezember 2007, 22:05 Uhr

Veranstaltungs-Tipp
I. Stangl, "Der Frauenflüsterer", jeden Montag bis April 2008, Kabarett Niedermair,
Ö1 Club-Mitglieder erhalten ermäßigten Eintritt (Vorverkaufspreis an der Abendkasse)

Links
Kabarett Niedermair
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kabarett.cc