Can you hear me?

Das digitale Zeitalter hat die Musikproduktion ganz klar verändert. Gefragt sind neue Geschäftsmodelle und neue Beziehungen zwischen Musikern, Produzenten, Vertriebsfirmen und Fans. Das neue Musikbusiness sollte vor allem ein gerechteres sein.

Zehn Jahre ist es her, dass der damals 18jährige Student Shawn Fanning aus Massachusetts eine Software schrieb, die die Musikwelt verändern sollte - Napster. Napster war das erste peer-to-peer-Filesharing Programm, viele andere sollten folgen.

Das Tauschen von mp3-Musikfiles über das Internet bot bisher ungeahnte Bequemlichkeit: Man konnte zu jeder Tages- und Nachtzeit nach Songs und Interpreten suchen, man konnte auch seltene Musikstücke finden und man hatte die Musik sofort verfügbar, statt auf Geschäftsöffnungszeiten oder Liefertermine warten zu müssen.

Kein Geld für die Musiker

Filesharing hatte allerdings einen Haken: Die Musik wurde unzählige Male kopiert, ohne dass Geld an die Musiker oder das Plattenlabel floss. Die Musikindustrie reagierte deshalb mit beinharten Klagen und versuchte, das Kopieren durch technische Maßnahmen zu verhindern. Digitale Verbreitung von Musik an sich geriet in Misskredit, die gesamte Musikwirtschaft steht seither Kopf.

Grundsätzlich gehe es der Musikwirtschaft derzeit aber nicht schlecht, meint Peter Rantasa. CD-Verkäufe würden tatsächlich fallen, Livekonzerte und Musikdownloads seien jedoch im Steigen begriffen. Das Problem ist aber, dass sich durch die digitalen Techologien die gesamte Struktur verändert und die Rollen neu verteilt werden, was vor allem die Musikindustrie, die einige Rollen verliert, schwer akzeptieren kann.

Zahle wie viel du willst

Ein Beispiel: Die britische Alternative Band Radiohead hatte Anfang Oktober vergangenen Jahres angekündigt, dass ihr neuestes Album mit dem Titel "In Rainbows" vorerst nur als Download verfügbar sei. Statt einer Angabe zum Preis stand auf der Website: "It’s up to you". Das sorgte in der Musikbranche für einige Aufregung, Radiohead wurde sogar vorgeworfen, den Markt zu ruinieren.

Mittlerweile gibt es das Album nur mehr als Discbox mit allerlei Extras um 40 Pfund zu kaufen. Die Vorgangsweise von Radiohead hat sehr viel ins Rollen gebracht und sehr viele aus der Musikbranche zum Nachdenken darüber gebracht, dass es auch andere Geschäftsmodelle geben könnte.

Neue Rahmenbedingungen

Dank digitaler Technologien ist es längst möglich geworden, ein Album im Wohnzimmer am Laptop zu produzieren und die Musik über das Internet zu bewerben und zu vertreiben. Immer mehr Bands gehen diesen Weg, weil sie nicht mehr auf die Verträge der Plattenfirmen einsteigen wollen, die ihnen womöglich geringen Anteil am Gewinn und trotzdem Einschränkungen der künstlerischen Freiheit aufzwingen.

Peter Jenner, der unter anderem die Band Pink Floyd gemanaged hat: "Es gibt nur zwei Dinge, die für den Musikmarkt relevant sind: Man braucht Menschen, die Musik machen, und Menschen, die Musik hören beziehungsweise auch Geld dafür ausgeben wollen. Und die Leute sind bereit, für Musik zu zahlen, sie sind bereit, Geld aus ihrer Tasche in die Tasche des Künstlers zu transferieren. Doch es gibt so viele Leute dazwischen, die davon etwas wegnehmen, und am Ende kommt sehr wenig beim Künstler an. In der digitalen Welt haben viele Menschen aus diesem Grund kein schlechtes Gewissen, wenn sie Musik gratis beziehen. Sie denken, dass die Künstler ohnehin nichts bekommen - und sie haben Recht. Ich glaube, wir brauchen neue Modelle, die garantieren, dass ein fairer Anteil dessen, was für Musik bezahlt wird, auch bei den Musikern landet."

Faire Musik

Dass faire Rahmenbedingungen für Musiker erkennbar und bekannt werden, will die "fair music inititave" erreichen, die im Herbst 2007 von mica - music austria gegründet wurde. fair music will - vergleichbar mit Fair Trade - Firmen im Kulturbetrieb auszeichnen, die gewisse Standards erfüllen.

Diese Standards werden derzeit mit Vertretern aller beteiligten Gruppen entwickelt. Außerdem wurde 2007 erstmals der fair music Award verliehen, mit dem faire Firmen und Organisationen ausgezeichnet werden. Die Einreichfrist für den Award 2008 beginnt am 15. Februar, Nominierungen kann jede und jeder auf der fair music Website eintragen.

Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 3. Februar 2008, 22:30 Uhr

Links
fair music initiative
mica - music Austria
Peter Jenner
Feargal Sharkey

Übersicht