Mr. Trademark
James Last
Am 17. April feierte James Last seinen 80. Geburtstag. Man könnte den deutschen Musiker als "Kapellmeister" bezeichnen, tatsächlich ist der Bandleader ein ebenso erfolgreicher Komponist wie Arrangeur. Er verkaufte 80 Millionen Platten in aller Welt.
8. April 2017, 21:58
1953: Die Nachkriegszeit liegt noch spürbar auf Europa, unter Kanzler Adenauer wird Deutschland neu geordnet. Dynamik und Optimismus gewinnen die Oberhand, das Wirtschaftswunder kommt in Fahrt. Am 3. Mai spielt in Frankfurt am Main die Deutsche All Star Band auf zum Ersten Deutschen Jazz Festival. Am Bass: Der damals 24-jährige Hans Last aus Bremen - drei Jahre vorher war er zum besten Jazz-Bassisten Deutschlands gewählt worden, seine Ausbildung hatte er notgedrungen in einer Militärmusikschule im Dritten Reich begonnen, wo er Bach für sich entdeckte.
Im April 2009 blickte er mit 80 auf eine lange und abwechslungsreiche Karriere zurück. Vom Basso Continuo zum Jazz und Pop: Die meisten Menschen kennen Hans Last unter einem anderen Namen. Ein Name, der im kollektiven Gedächtnis zum Logo geronnen ist: James Last.
Solide Jazzpraxis
Seine Karriere folgt den Entwicklungen der Unterhaltungskultur nach 1945. Salon- und Tanzmusik live im Kaffeehaus kannte Hans Last aus dem dänischen Radioprogramm seiner Kindheitstage, nach dem Krieg erwarb er in den Clubs der Besatzungssoldaten eine solide Jazzpraxis, just als diese Musikrichtung mit BeBop, Latin und Cool Jazz ihre größte Blüte erlebte - handwerklicher Anspruch und Unterhaltung waren nicht zu trennen.
Die Besatzer kontrollierten auch das Radio, zu dessen Betrieb Orchester nötig waren. Sie wurden ebenfalls zu Horten des Jazz, die ARD unterhält bis heute vier traditionsreiche Jazz-Bigbands, Hans Lasts Laufbahn führte wie selbstverständlich weiter zu den Rundfunkorchestern, erst in Bremen, dann in Hamburg.
Käpt'n James bittet zum Tanz
Der neue Wohnort brachte neue Ideen. Hans wurde 1965 zu James Last, der Markenschriftzug im Stil der Zeit symbolisiert die Privat-Partykultur der Wirtschaftswunderjahre: Die Reihe "Non Stop Dancing" arrangierte aktuelle Hits zum Tanzen, die Marke James Last bot eine immer breitere Palette an, für jeden etwas.
Auf Flohmärkten finden sich schnell die Platten mit dem Logo, am Innencover einer James-Last-Platte jeweils weitere Produkte: "Käpt'n James bittet zum Tanz", "Songs von der Waterkant" - egal ob Folklore, Beatles oder Motown Soul, Spezialreihen boten Genres & Instrumente für jeden Geschmack: Trumpet á GoGo, Piano á GoGo, Humba Humba á GoGo, Hammond á GoGo...
Beinahe monatlich neue Alben
Zu Spitzenzeiten veröffentlichte James Last beinahe monatlich neue Alben. Seine Platten verkauften sich auch in den USA gut, James Last wurde dort jedoch tatsächlich als Marke gesehen - dass dahinter ein realer Arrangeur stand, war kaum bekannt. Ein besonderes Album sollte ihn in den Staaten etablieren. "Well Kept Secret" wurde 1975 in Los Angeles aufgenommen.
Lange Jazztitel für große Besetzung lassen Las-Vegas-Shows und Country anklingen, die Streicher bringen den typischen James-Last-Sound ein und machen die Qualität seines Könnens deutlich. Die vielen Live-Termine "zuhause" in der Alten Welt verhinderten die nötige US-Promotion, obwohl Last eigentlich seit den frühen 1970ern ein Haus in Florida hatte. Das Album "Well Kept Secret" blieb ein Geheimtipp für Sammler, wurde aber letztes Jahr auf CD neu aufgelegt.
Musik für Elvis
Das breite Publikum in Europa erwartete von James Last stets die Gratwanderung zwischen guter Produktion und leichter Unterhaltung. Das Image seiner Musik entspricht heute dem, was die Engländer cheesy nennen: Solide, aber brav bis langweilig. Tatsächlich fabrizierte der Bandleader vor allem Masse, wer sich mit seinem umfangreichen Werk beschäftigt, kann jedoch auch Klasse finden.
Wie der Regisseur Quentin Tarantino: Für den ersten Teil von "Kill Bill" grub er "The Lonely Shepherd" aus, einen Panflötenhit mit den Mariachi-Trompeten von 1974 - genial und kitschig im selben Moment, wie der späte Elvis Presley: "Fool" war 1973 die Nachfolgesingle zu "In The Ghetto", die Musik hatte James Last komponiert.
Geniale Kniffe
Doch selbst die "Stangenware" wie zum Beispiel "Hammond a Gogo Vol. 3" lässt bei genauem Hinhören immer wieder geniale Kniffe im Arrangement erkennen, abgesehen von der spielerischen Präzision des Ensembles und einem Klangbild, das völlig ohne die modernen Studiotricks auskam. Nicht umsonst entdeckte in den 1990er und 2000er Jahren die Retro- und Loungekultur James Last wieder.
Der Jubilar selbst meint übrigens, dass die Leute sich bei seiner Musik "wohl fühlen und Spaß dran haben" sollten, und meint damit sein Orchester: Gutes Arrangement soll die Musiker motivieren, dann spielen sie gern, es klingt gut und es schaut auch gut aus im Fernsehen.
Und was will man letztlich mehr?
(Wem das nicht reicht, dem sei nochmals "James Last in Los Angeles/Well Kept Secret" empfohlen.)
Hör-Tipp
Radiokolleg, Montag, 8. Juni bis Mittwoch, 10. Juni 2009, 9:45 Uhr
CD-Tipps
James Last, "They Call Me Hansi", polydor/Universal
James Last, "In Los Angeles", polydor/Universal
James Last, "Classics Up To Date", polydor
Links
James Last
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