Raimund Orfeo Voigt, Szenografie

Die Eltern förderten sein Theater-Interesse: Raimund Orfeo Voigt, Jahrgang 1984, der an der Wiener Akademie Szenografie studiert. Der erfolgreiche Künstler war als "Bester Nachwuchs" für den "Nestroy 2010" nominiert. Zuletzt schuf er das Bühnenbild für "Blackbird" im Theater in der Josefstadt.

"Einen großen Einfluss hatte wahrscheinlich meine Kindheit. Ich ging mit meinen Eltern sehr regelmäßig ins Theater. Anfangs waren es hauptsächlich Opern. Schon damals interessierte mich die Bühne am Meisten. Meine Eltern bemerkten dieses Interesse und in der Folge kam ich in den Kinder-Chor des Staatstheaters Darmstadt.

Natürlich hatte ich auch Musik-Interesse, aber hauptsächlich ging es mir um das Geschehen hinter der Bühne. Dann begann ich zuhause jene Bühnenbilder. die ich gesehen hatte, mit Stoffen, Seilen und Licht nachzubauen. Später machte ich das in kleinen Kästen wie bei Modellen", erzählt Raimund Orfeo Voigt, gebürtiger Frankfurter, Jahrgang 1984, über seine Anfänge.

Seit 2005 studiert Voigt an der Akademie der bildenden Künste in Wien Szenografie bei Erich Wonder. Abschließen wird er 2011.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wernigerode hatte er seine Schulausbildung in den USA fortgesetzt, wo er 2003 das High-School-Diplom in Vermont erhielt. Ursprünglich war es sein Ziel, Maler zu werden. Daher wurde Voigt nach seinem Abschluss Assistent beim New Yorker Maler Ross Bleckner.

In dieser Zeit kristallisierte sich sein Interesse für Bühnenbild heraus. Nach seiner Rückkehr aus den USA praktizierte er bei Regisseur und Bühnenbildner Fred Bernd in Berlin.

Wegen Erich Wonder nach Wien

"Nach Wien bin ich wegen Professor Wonder gekommen. Ich hatte Inszenierungen, für die er das Bühnenbild gemacht hatte, in Berlin gesehen. Ich kannte auch sein Buch, das mich sehr fasziniert hat. Wonders erste Arbeit, die ich sah, war sein 'Ring', den er 2000 mit Jürgen Flimm in Bayreuth schuf. Danach sah ich viele seiner Bühnenarbeiten", erklärt Voigt seine Wahl für Wien.

Von der Konzeption zum fertigen Bühnenbild

"Von den ersten Gespräch mit der Regisseurin oder dem Regisseur bis zur Realisierung eines Bühnenbildes dauert es rund ein halbes bis dreiviertel Jahr. Die erste Bauprobe findet etwa fünf Monate vor der Premiere statt.

Nachdem man sich auf einen Entwurf geeinigt hat, gibt es dann intensivere Gespräche mit dem Regisseur, bei denen man die Szenen durchgeht, Auf- und Abtritte klärt sowie die Verwandlungen. Dann folgt die erste Bauprobe, bei der man auf der Bühne in Original-Dimensionen das Bühnenbild mit Latten und Stoffen markiert, alles überprüft und auch schon Materialien mit Licht ausprobiert.

Wenn alles stimmt, gibt es die Abgabe des Modells und der Pläne an die Werkstätten. Und dann begleitet man den Prozess der Herstellung", erläutert Voigt.

Für "Nestroy 2010" nominiert

2010 war Raimund Orfeo Voigt für seine Bühnenarbeit von Wajdi Mouawads "Verbrennungen" am Schauspielhaus Graz für den "Nestroy"-Preis in der Kategorie "Bester Nachwuchs" nominiert.

Davor hatte Voigt für Anna Badoras Inszenierung von Arthur Millers "Hexenjagd" am Schauspielhaus Graz, die im September 2010 Premiere hatte, das Bühnenbild gestaltet.

Premiere am Wiener "TAG"

Am 17. November 2010 hatte die deutschsprachige Erstaufführung von Peca Stefans "The Sunshine Play" in seiner Bühnengestaltung (Regie: Karim Cherif) im Wiener "TAG - Theater an der Gumpendorfer Straße" Premiere.

2011 Oberhausen und Josefstadt

Heuer stattete Voigt die Bühne zur Neuproduktion von Goethes "Iphigenie auf Tauris" in der Regie von Ö1 Talent Sarantos Zervoulakos am Theater Oberhausen aus. Premiere war am 18. Februar 2011.

Danach war der gefragte Bühnenbildner für David Harrowers "Blackbird" im Theater in der Josefstadt tätig. Die Premiere der Neuproduktion in der Regie von Alexandra Liedtke hat am 7. April Premiere.

Der Text als Grundlage

Seine Herangehensweise bei der Realisierung von Projekten beschreibt der junge Bühnenbildner folgendermaßen:

"Mein Bedürfnis ist es, durch den Text möglichst tief in das Stück einzudringen. Dazu zählt unter anderem: etwas über den Autor zu lesen, über die Zeit, in der das Werk entstanden ist, um ihm möglichst gerecht zu werden – und dass es im Kopf des Zuschauers noch weiter geht."

Vielfältige Theater-Praxis

Seit drei Jahren konnte der ambitionierte Bühnenbildner vielfältige Praxis sammeln:

Voigt assistierte bei Robert Wilson, war Assistent bei seinem Lehrer Erich Wonder und wirkte bei "Some Girls" am Wiener Burgtheater, bei "Verbrechen und Strafe" bei den Salzburger Festspielen sowie bei "Hölderlin" an der Berliner Linden-Oper mit.

Eigene Arbeiten - von Türks bis Breth

Und inzwischen hat Voigt bereits eigene Bühnenbildner geschaffen:

So unter anderem für "Sterben" nach Schnitzler in der Inszenierung von Wolfgang Türks am Schauspielhaus Chemnitz (2008), für "Elling" in der Regie von Bernadette Sonnenbichler am Schauspielhaus Graz, sowie heuer für Jay Schwarz' Kammeroper "Narcissus und Echo" bei den Münchner Opernfestspielen sowie für die Ostermeier-Uraufführung von "Blaue Spiegel" in der Inszenierung der renommierten Regisseurin Andrea Breth am Berliner Ensemble.

"Ich war in Salzburg bei Andrea Breths Inszenierung von 'Verbrechen und Strafe' als Bühnenbild-Assistent tätig. Zwei Monate später fragte sie mich, ob ich das Bühnenbild für ihre Inszenierung des neuen Ostermeier-Stücks 'Blaue Spiegel' am Berliner Ensemble machen würde. Es war natürlich eine große Herausforderung."

Erfolgreicher "Macbeth" zum Grazer Saison-Start

Und zum Saison-Start 2009 engagierte die Grazer Schauspiel-Intendantin Anna Badora den jungen Bühnenbildner für ihre Inszenierung von Shakespeares "Macbeth":

"Ich muss mich ganz herzlich bei Anna Badora bedanken, dass sie dieses Vertrauen hatte, mir ein so großes und komplexes Stück wie 'Macbeth' zur Saison-Eröffnung anzuvertrauen. Denn es zählt zu jenen Shakespeare-Werken, wo enorm viele Szenen aufeinander folgen.

Also musste ich mir etwas einfallen lassen, damit man nicht ständig Auf- und Abtritte hat. Ich habe schließlich ein Passepartout-System gewählt, wo nur Ausschnitte des Raums sichtbar sind. Die Umsetzung wirkte dadurch sehr filmisch. Und das Licht war bei dieser Arbeit sehr wichtig - es war ein Lichtraum", beschreibt Voigt seine erfolgreiche Produktion.

Neuproduktion von "Verbrennungen" in Graz

Und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Grazer Intendantin findet eine Fortsetzung: derzeit arbeitet Raimund Orfeo Voigt an Entwürfen für die Neuproduktion von Wajdi Mouawads Stück "Verbrennungen", die am 10. April 2010 am Schauspielhaus Premiere hat.

"Bei diesem Werk wird es eine andere Form der Verwandlung geben wie bei 'Macbeth'. Hier werden durch eine stetige langsame Bewegung immer neue Räume für Szenen erschaffen."

Mit Regisseur ein Team bilden

Wie lauten die Zukunftswünsche des erfolgreichen Nachwuchs-Bühnenbildners?

"Mich interessieren vor allem Oper und Schauspiel, Film weniger und Ausstellungsdesign gar nicht. Ich wünsche mir eine längere Zusammenarbeit mit einem jungen Regisseur, mit dem man über mehrere gemeinsame Projekte herausfindet, was Theater eigentlich ist", so Raimund Orfeo Voigt.

Service

E-Mail - Raimund Orfeo Voigt

Akademie der bildenden Künste Wien
Bayerische Staatsoper – "Narcissus und Echo"
Berliner Ensemble - "Blaue Spiegel" von Albert Ostermaier
Nestroy Preis - Nominierungen 2010
Schauspielhaus Graz - "Macbeth"
Schauspielhaus Graz - "Verbrennungen"
Schauspielhaus Graz - "Hexenjagd"
Theater Chemnitz
Theater in der Josefstadt - "Blackbird"
Theater Oberhausen - "Iphigenie auf Tauris"
tv.ORF.at - Nestroy 2010 - Die Gala