20.000 bei Umweltgipfel in Bolivien

In Cochabamba, der viertgrößten Stadt Bolivien, tagt bis Donnerstag die alternative Folgekonferenz des gescheiterten UN-Klimagipfels von Kopenhagen. Über 20.000 Teilnehmer aus über 100 Staaten sind der Einladung des Präsidenten Evo Morales gefolgt. Im Gegensatz zu den UN-Gipfeln soll den sozialen Bewegungen und Umweltschutzverbänden eine tragende Rolle zukommen.

Mittagsjournal, 21.04.2010

Kritik am Versagen in Kopenhagen

Vor rund 2.500 geladenen Gästen erklärte Boliviens Präsident Evo Morales die Weltkonferenz der Völker zum Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde für eröffnet. Er kritisierte erneut das Versagen der Industrieländer beim Klimagipfel in Kopenhagen im vergangenen Dezember: "Wir sind hier vereint, weil im Dezember in Kopenhagen die sogenannten entwickelten Industrieländer nicht die an sie gerichteten Erwartungen erfüllt haben, eine Einigung darüber zu treffen, wie viel Kohlendioxid sie jeweils produzieren dürfen. Hätten sich diese Länder an das Kyoto-Protokoll gehalten und maßgeblich ihren CO2-Ausstoß verringert, dann wäre dieser Gipfel nicht notwendig gewesen."

Andengletscher schmelzen

Gerade das Andenland Bolivien spürt die Folgen des Klimawandels erheblich. Von dem einst größten Gletscher des Landes, Huayna Potosi, der auf über 6.000 Meter liegt und ca. 80 Kilometer von der Hauptstadt La Paz entfernt ist, besteht nur noch ein geringer Teil. In den letzten Jahren konnten die Aimara Indianer beobachten, wie ihr Gletscher sich immer mehr zurückzog. Josué Huanca sieht der Zukunft hoffnungslos entgegen: "Früher gab es hier viel Schnee und jetzt fällt jedes Jahre weniger, und das ist so seit ca. 10 Jahren. Kein Schnee sondern nur noch Schneeschmelze. Wenn es keine Gletscher gibt, dann werden auch die Touristen bald nicht mehr kommen."

Vorschläge an UN-Konferenz

Vor allem die Ureinwohner Lateinamerikas, aber auch jene, die aus Kanada und Afrika angereist sind, hoffen, dass der Gipfel Raum für Diskussionen um politischer Alternativen bietet. In Cochabamba sollen nun in 17 Arbeitsgruppen Beschlüsse erarbeitet werden, die dann den Staatschefs der Vereinten Nationen bei der nächsten offiziellen UN-Klimakonferenz im Dezember im mexikanischen Cancún unterbreitet werden sollen.

"Internationales Bewusstsein wecken"

Die bolivianische Regierung hat dem Forum außerdem die Durchführung eines weltweiten Referendums zum Thema Klimaschutz am 12. Oktober vorgeschlagen sowie die Gründung eines Internationalen Klimagerichtshofes. Für Boliviens Umweltminister Juan Pablo Ramos geht es jetzt in Cochabamba vor allem um eines: "Unabhängig davon, was nach den drei Tagen in Cochabamba herauskommen wird, gilt es mit diesem Gipfel vor allem das internationale Bewusstsein zu wecken und dass die verschiedenen Vertreter internationaler Organisationen aus Afrika, Europa, den USA, Kanada und den Entwicklungsländern die Möglichkeit sehen, dass wir unsere Kräfte vereint miteinander bewegen können, um unser eigenes Leben und unsere Umwelt zu retten."

"Tag der Mutter Erde"

Um die Wichtigkeit des weltweiten Umweltschutzes zu unterstreichen, erklärten letztes Jahr auf Anregung der bolivianischen Regierung hin die Vereinten Nationen den 22. April als "Internationalen Tag der Mutter Erde". An diesem Tag wird der Alternative Klimagipfel in Cochabamba zu Ende gehen. Und auch wenn zahlreiche Vertreter aus Europa aufgrund der Folgen des Vulkanausbruchs in Island nicht anreisen konnten, kamen weitaus mehr Teilnehmer als zunächst erwartet.

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