Unruhe in der Kulturszene
Italienisches Sparpaket
Das Sparpaket der italienischen Regierung sorgt in der Kulturszene Italiens für Aufruhr. Nach ersten heftigen Protesten hat das Finanzministerium die Kürzungsliste noch einmal zurückgenommen. Der Kulturminister hat jetzt zwei Monate Zeit, selbst Streichungen vorzuschlagen.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 01.06.2010
Dass sich am italienischen Kulturhimmel etwas zusammenbraut, ist schon seit längerem zu spüren. Und wenn der landesweite finanzielle Notstand ausgerufen wird, dann sehen sich auch in Italien Kulturschaffende sofort in der Defensive.
Zu Recht, wie sich dieser Tage herausgestellt hat, denn das Sparpaket der Regierung - geschnürt während der Euro-Krise - hätte den Kulturbetrieb in Italien hart getroffen. Hätte - denn im letzten Moment darf das Paket noch einmal aufgeschnürt werden. Selbst Staatspräsident Giorgio Napolitano hat mit seiner Unterschrift gezögert und sie erst nach Änderungswünschen unter das Spardekret gesetzt. Aber der Reihe nach.
Geplanter Kahlschlag
24 Milliarden Euro Einsparungen - das hat Italiens Finanzminister Giulio Tremonti mit einem Paukenschlag als Budgetsanierung präsentiert. 232 Institutionen sollten demnach kein Geld vom Staat mehr erhalten. Darunter auch viele Kultureinrichtungen wie die Stiftung der Arena di Verona und das Spoleto-Festival. Auch die Stiftung Rossini in Pesaro sowie die Kunst-Triennale in Mailand und die Quadriennale in Rom sollten kein Steuergeld mehr erhalten. Der Aufschrei aus der Kulturszene Italiens ließ nicht lange auf sich warten.
Empörung in der Kulturszene
"Wenn diese Institute schließen, können sowohl Studenten als auch Wissenschafter nicht mehr auf diese wertvollen Quellen zugreifen", sagt Lucia Zannino, Vorstand des Verbandes kultureller Institute.
Gino Agnese, Präsident der Quadriennale Rom kann seinen Zorn kaum verbergen: "Tremonti verwechselt wohl die Quadriennale, von der er offensichtlich keine Ahnung hat, mit irgendeiner Gemeindeveranstaltung in seiner Heimat. Nur so kann eine derart wichtige Veranstaltung auf die Abschussliste kommen."
Nicht förderungswürdig ist laut Finanzministerium auch das Institut für Experimentalfilme. Dessen Vorstand, Foti Marcello, sieht schwarz für die Zukunft: "Das Centro sperimentale ist eine staatliche Einrichtung, von der Gesetzgebung verpflichtet öffentliche Arbeit zu verrichten. Ohne Subventionen muss man sie zusperren!"
Entmachteter Kulturminister
Eine traurige Rolle in diesem Budget-Drama spielt Kulturminister Sandro Bondi. Er sei entmachtet worden, klagte er nach Bekanntgabe der Kürzungspläne. Der Finanzminister habe die Streichungen in Eigenregie vorgenommen, der Kulturminister sei dabei nicht gefragt worden, was das Standing des Kulturministers in der Kulturszene nicht gerade verbessert hat.
Nun darf Bondi aber doch noch einmal ran. Die Kürzungen bleiben, aber das Kulturressort darf selbst entscheiden, wen es treffen wird. Das archäologische Institut in Athen, die Triennale und die Quadriennale dürften noch einmal mit dem Schrecken davon kommen. Für die italienischen Experimentalfilmer sieht es aber - Gerüchten zufolge - nicht gut aus.
In zwei Monaten wird man mehr wissen, dann muss der Kulturminister die endgültige Kürzungsliste vorlegen.
