Strukturwandel in den Alpen

In den Alpen leben geschätzte 13 Millionen Menschen. Die Landschaft ändert sich stark - Nutzflächen werden aufgelassen, Dörfer wurden menschenleer, andere entwickelten sich zu international bekannten Schiregionen. Die sich daraus ergebenden Folgen werden beim Europäischen Forum Alpbach diskutiert.

Klima- und Strukturwandel

Bei Alpen ausschließlich an grüne Wiesen und sanften Tourismus zu denken ist weit gefehlt. Ulrike Tappeiner, Institutsleiterin am Institut für Ökologie der Universität Innsbruck sowie am Institut für Alpine Umwelt der Europäischen Akademie Bozen untersucht das vielfältige Bild der Alpengemeinden.

Sie forscht zu den Auswirkungen des globalen Wandels auf den Gebirgslebensraum. Im Vordergrund steht weniger der Klimawandel als vielmehr der Strukturwandel in der Landwirtschaft, der die Biodiversität stark beeinflusst.

"Die traditionelle landwirtschaftliche Nutzung von Bergmähdern und Almen erzeugt eine hohe Artenvielfalt, wogegen sowohl Intensivierung als auch Auflassen eine starke Reduktion der Artenvielfalt bedingt. Das wirkt sich auf viele ökologische Funktionen aus, wie zum Beispiel auf die Bodenfruchtbarkeit, oder auch auf Fragen des Risikopotentials. Wir wissen zum Beispiel aus unseren Forschungen, dass während des Auflassens sehr instabile Phasen entstehen können, wo eine höhere Gefahr an Gleitschneelawinenbildungen oder auch Erosionsphänomene auftreten", meint Ulrike Tappeiner.

E-Wirtschaft in der Schuld der Bauern

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft beeinflusst auch den Wasserhaushalt - ob Wald oder Wiese im Gebirge, kann im Tal entscheidend für das Auftreten von Hochwasser und auch Wasserreservoirs sein.

Aus Berechnungen Tappeiners und ihres Teams ist hervorgegangen, dass die E-Wirtschaft an den Bauern, der die steilen Hänge mäht, zirka 1.000 Euro pro Hektar und Jahr zahlen müsste, weil das eigentlich umgesetzter ökonomischer Wert sei.

Ulrike Tappeiner und ihr Team forschen zur nachhaltigen Entwicklung des gesamten Alpenbogens. Im Zuge dessen wurde unter anderem ein Monitoringsystem für 6.000 Alpengemeinden aufgebaut. Die Indikatoren umfassen Wirtschaft, Soziales und Umwelt - beispielsweise Bevölkerungsdichte, Kinderbetreuungsplätze und Feinstaubbelastung.