Die finnischen Aland-Inseln

Wo findet man den glücklichsten Mann der Welt? Man findet ihn auf einer der 6.700 Inseln von Aland. Aland liegt am südwestlichsten Rand von Finnland, rund 40 Kilometer von Schweden entfernt. Dort sitzt "der glückliche Mann der Welt" an einem der zahlreichen Bootsstege und schaut hinaus aufs glitzernde Meer.

Sonderlich anstrengen muss er sich dabei nicht, die höchste Erhebung des Archipels liegt 129 Meter über dem Meeresspiegel. Manchmal fährt er zum Fischen hinaus - entweder in die Ostsee oder in den Bottnischen Meerbusen und kommt zurück mit Barsch, Hecht und Lachs. Mit etwas Glück oder Ehrgeiz kennt er auch die Namen von sechseinhalbtausend Inseln, die ab einer Größe von rund vier Fußballfeldern auf Landkarten eingetragen werden. Sie heißen dann Sandö, Sandinsel, Vordö, Wächterinsel, oder Bergö. Obwohl der Archipel zu Finnland gehört, spricht der glücklichste Mann der Welt schwedisch.

Ruhiges Leben

"Das Primäre, wenn man an Aland denkt sind rote Felsen, Wasser, grüne Wälder und ein intensives Vogelleben im Frühling", erzählt Katarina Mörn. Die Mittvierzigerin ist in Aland geboren, in der einzigen Stadt des Archipels, in Mariehamn, zur Schule gegangen und hat dann in Deutschland gearbeitet. In den 1990er Jahren ist sie mit ihrem Mann nach Aland zurückgekehrt und hat hier ihre Kinder zur Welt gebracht. "Es ist ein recht ruhiges Leben hier. Die Schulen sind klein, meine Kinder gehen in eine Klasse mit insgesamt sieben bis zehn Kindern", erzählt sie.

Katarina Mörn ist kein Einzelfall. Auf einer Reise durch den Archipel begegnet man vielen Menschen, die im Ausland gearbeitet oder dort - da Aland keine Universität besitzt - ein Studium absolviert haben. Sie alle wollen ins Inselparadies zurückkehren – früher oder eben später.

Selbstbestimmung und eigene Nationalhymne

Im Hochmittelalter gehörten Aland und Finnland zu Schweden. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts musste Schweden die beiden Länder an das russische Zarenreich abtreten. Rund ein Jahrhundert später, 1917, endete die russische Herrschaft. Nach der Februar-Revolution erklärte Finnland seine Unabhängigkeit von Russland. Die Alander, deren Geschichte und Kultur eng mit Schweden verknüpft waren, strebten nach einer Wiedervereinigung mit dem Nachbarland.

Dieser Wunsch wurde nicht erfüllt, 1921 wurde die Alandfrage vom Völkerbund so entschieden: Aland blieb Teil der Republik Finnland, bekam aber Selbstverwaltungsrechte zugesprochen. Das bedeutet bis heute: Selbstbestimmung in allen zentralen Fragen, die die inneren Angelegenheiten des Archipels betreffen. Aland hat eine eigene Flagge, seit 1984 drucken die Alander eigene Briefmarken und sie stimmen, bei gegebenem Anlass, ihre eigene Nationalhymne an.

Von Inseln und Inselchen ist in der Hymne die Rede, von blühenden Feldern, rauen Küsten und bewaldeten Ufern. 1.500 Quadratkilometer umfasst die Landfläche des Archipels. Bewohnt wird vorwiegend die Hauptinselgruppe, die sich Festland–Aland nennt und die in zehn Gemeinden eingeteilt ist.

Fast ein Festland

Um die Gemeinde Vardö zu erreichen, durchquert man Festland-Aland von West nach Ost und bekommt eine Ahnung davon, warum dieser Teil des Archipels als "Fasta", als Festland bezeichnet wird. Die zentralen Inselgruppen liegen sehr eng zusammen und sind geschickt mit Straßen, Brücken und Dämmen verbunden, sodass der Eindruck einer zusammenhängenden Landfläche entsteht. Rötliche Wege, sie stammen von Alands charakteristischem orange-braunen Granit, führen vorbei an Gehöften, Weilern oder Dörfern.

Kurz vor Vardö verändert sich die Landschaft. Das Meer nimmt sich zunehmend Raum, die Abstände zwischen den Inseln werden größer. Vardö ist die erste von insgesamt sechs Schärengemeinden, die außerhalb von Festland-Aland liegen. Nur 2.000 Menschen leben auf diesen Inseln.

Ferienhäuser für die Alander

Väderskär ist eine Insel im nördlichen Schärengebiet. Hierher hat Anni Blomquist die Romanhandlung ihres Buches "Maja und Johan" verlegt. Gut vorstellbar, dass gerade diese Insel die Autorin inspiriert hat. Der von Eis und Wasser abgerundete Granit leuchtet in allen Orange-, Braun-, Ocker- und Grautönen. Er bildet einen starken Kontrast zum satten Wiesengrün, zu den weißen Moosbüscheln und zum silberfarbenen Meer.

Vereinzelt findet man verwitterte Holzhütten. Auf Alands Insellandschaften verstreut stehen über 9.000 Sommerhäuser. Nicht einmal ein Viertel davon ist für Touristen reserviert. Den Rest benützen die Alander selbst und verbringen dort ihre Ferien.

Das Leben genießen

Hokan Külman lebt auf der Insel Järsö im Süden von Festland-Aland. Er ist der glücklichste Mann der Welt, verkündet er lächelnd. Warum das so ist? Der braungebrannte Mann, der sein weißes Haar unter einer schwarzen Schirmmütze verbirgt, deutet auf drei Boote, die am Steg befestigt sind: Sie gehören alle ihm.

Früher war er Lehrer, jetzt ist er in Pension. Er verbringt seine Zeit damit, je nach Lust und Wetterlage mit dem Boot seiner Wahl aufs Meer hinaus zu fahren und nichts anderes zu tun, als das Leben zu genießen.

Übrigens: Sollten sie genug Geld haben und gar Interesse, eine der aländischen Inseln zu kaufen, dann müssen sie sich drei Prüfungen unterziehen: Sie müssen mindestens fünf Jahre auf Aland leben, die schwedische Sprache lernen und die finnische Staatsbürgerschaft erwerben. So steht's im sogenannten "Heimatrecht" geschrieben und so halten es die Alander bis heute.

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