How does it make you feel

soma heißt Körper auf Griechisch, ein Name, der für diese vier jungen Architekten passend ist, denn ihre Gebäude gleichen eher unregelmäßigen geometrischen Körpern als Häusern. Eine Ausstellung in Salzburg ist die bisher einzige Möglichkeit, sich in Planung und Denken des Quartetts Einblicke zu verschaffen, denn: realisiert wurde bisher noch nichts. Einen wichtigen Wettbewerb hat soma aber schon gewonnen.

Kulturjournal, 20.10.2010

EXPO-Pavillon "One Ocean"

In Österreich ist soma wahrscheinlich nur Architektur-Insidern bekannt, doch es kann gut sein, dass in London Zaha Hadid gelegentlich diesen Namen seufzt, vielleicht mit ärgerlichem Unterton, denn die Grande Dame der Architektur wurde von soma ebenso aus dem Rennen geworfen wie weitere Stararchitekten, als die Gruppe den Wettbewerb für die EXPO 2012 in Südkorea für sich entschied.

Meer, Küsten und das Klima sind die Themen dieser Weltausstellung. Das Besondere: Der Themen-Pavillon "One Ocean" wird stehen bleiben und soll danach weiter genutzt werden, sagt Martin Oberascher: "Das war einer der wesentlichen Gründe, warum wir gewonnen haben, weil wir ein vernünftiges Nachnutzungskonzept erstellt haben."

Ein Museum soll danach dort untergebracht werden. "Ein Ziel von uns war, den Begriff Ozean räumlich zu denken", so Oberascher. "Ozean kann man als unendliche Fläche sehen, den Ozean kann man aber genauso als Körper sehen, der in die Tiefe geht, und dieses Volumen, das in die Tiefe geht und sich dann in der Fläche ausbreitet, soll sich in dem Gebäude widerspiegeln."

Fassade aus Lamellen

Das Gebäude liegt in einer Bucht genau an der Küstenlinie. Weil das Thema der Weltausstellung "Ocean and Coast" ist, hat sich soma mit der Küstensituation und Küstenlinie beschäftigt. "Wir bauen auf dem Steg, der ins Wasser rein geht."

Cones, also Kegelstümpfe, stehen wasserseitig und werden auch Einblicke unter die Wasseroberfläche zulassen. Landseitig lockt eine spektakuläre Fassade. "Die Fassade ist eigentlich die größte Herausforderung vom ganzen Gebäude", meint Oberascher. "Wir haben eine bewegliche Medienfassade entworfen, die aus lauter Lamellen besteht, die einzeln ansteuerbar sind, sodass man verschiedene abstrakte Muster projizieren kann."

Funktion mit Gefühl

Kristina Schinegger, Günther Weber und Stefan Rutzinger bilden gemeinsam mit Martin Oberascher das soma-Quartett. Der Titel der Ausstellung "How does it make you feel", entliehen einem Song von Bob Dylan, verweist auf ihre Intention, den Nutzern nicht nur Funktion, sondern auch Gefühl zu bieten.

Für den Vorplatz einer Salzburger Volksschule zum Beispiel wurde für den brettlebenen Vorplatz eine gewellte Landschaft entworfen, konzipiert am Computer, als zwei Ströme virtuell gegeneinander geflossen sind.

Für einen Pavillon für die Salzburg Biennale, das Festival zeitgenössischer Musik im nächsten Frühjahr, hat soma ein Gebäude erdacht, dessen Dach aussieht, als hätte jemand wahllos Stäbe drüber geschüttet. Variationen und Diversität war quasi das Thema, mit dem sich soma beschäftigt hat.

Suche nach Innovation

Martin Oberascher hat vor kurzem ein Gespräch mit Friedrich Achleitner gehabt und ihn gefragt, ob es früher auch schon Bestrebungen gegeben hat, eine "graduelle Unschärfe" in Projekte reinzubringen, sozusagen eine "gewollte Nicht-Geplantheit". Achleitner hat bestätigt, dass dieses Thema auch früher schon interessant war, der Computer allerdings erleichtere aber die Berechnungen und Simulationen.

Partner in dieser Suche nach Innovation sind risikobereite Firmen, die ebenfalls Lust haben, die Grenzen des Machbaren auszuloten. Bleibt also die Frage: Welche Gefühle will soma denn auslösen, zum Beispiel bei dem Biennale-Pavillon? Oberascher: "Dass man, wenn man hineingeht, ein Mehrwert-Gefühl von Architektur hat."

Textfassung: Ruth Halle