Austro Sino Arts

Für Künstler ist es die Chance, ein paar Monate im Ausland zu verbringen und neue Inspiration zu finden: das vom Kulturministerium gesponserte "Artist in Residence" Programm.

Aber wo sind die Werke, die so entstehen, dann schließlich zu sehen? Zumeist nirgendwo, zumindest nicht als Gruppenausstellung. Für die in China stationierten österreichischen Künstlergibt es Abhilfe.

Zum zweiten Mal läuft derzeit im Pekinger Kunstviertel 798 eine Ausstellung des sogenannten Austro Sino Arts Programms. Gezeigt werden die Werke von 21 Künstlern, die entweder zurzeit in China sind oder in der Vergangenheit hier gearbeitet haben. Sie setzen sich hier nicht nur mit ihrer eigenen Arbeit auseinander, sondern auch damit, wie unterschiedlich das Bild des Künstlers in Europa und in China ist.

Kulturjournal, 08.11.2010

Schwer Verkäufliches

So mancher Besucher wird wohl überrascht sein: im 798, dem ehemaligen Fabrikgelände, das zum Kultur-Cluster geworden ist, sieht man zumeist Gefälligeres, das sich auch verkaufen lässt. Immerhin ist Kunst in China ganz offiziell ein Wirtschaftszweig. Und die Künstler bekommen keine Förderungen.

Anders die Österreicher, die hier produzieren oder produziert haben: Was sie zur Zeit in Peking zeigen, wird sich wohl kaum jemand ins Wohnzimmer hängen, beziehungsweise dort installieren wollen. Eine gewaltige und mit politischen Termini, die es erst durch die Zensur schaffen mussten, vollgekritzelte China-Karte hängt hier beispielsweise. Oder Papierschnitzel, sogenannte "gefundene Objekte". Und es gibt mehr als eine Videoinstallation.

Modernität und Armut

Der Multimediakünstler Florian Schmeiser hat das Wohlstandsgefälle und die Schnelllebigkeit Chinas in Bild und Ton festgehalten. Und er erlebt das Gefälle zwischen Modernität und Armut hier auch selbst: "Darauf kann man schon neidvoll blicken. Die Größe der Ateliers in China, dass so mancher chinesische Kollege schon bald eine ganze Assistentenschar beschäftigt, beeindruckt jeden österreichischen Künstler hier." Wobei, so sagt Florian Schmeiser, auch innerhalb der chinesischen Künstlerszene Uneinigkeit darüber herrscht, wie ein Künstler zu sein oder zu leben hat.

Für Anna Hofbauer, die hier Fotos ausstellt, ist es ganz klar: Von der Kunst leben kann sie nicht. Der europäische Künstler lebt von Jobs, die er nebenbei macht, sagt sie. Und wird von den chinesischen Kollegen dafür zuweilen belächelt.

Auch sozusagen vom Staat subventioniert ist die junge Malerin Bianca Regl, die hier mit übergroßen, ausdrucksstarken, ineinander verkeilte Lippen auf Leinwand vertreten ist. Ob diese Werke so auch in Österreich entstehen würden, kann sie nicht sagen, aber eines hat sie in China schon jetzt als nachhaltig erlebt: das große Augenmerk, das hier auf Technik und Handwerk in der Malerei gelegt wird.

Ein "kulinarisches" Projekt

Die Ausstellung gräbt aber sozusagen auch aus. So sind hier Fotos des gebürtigen Österreichers Joseph Francis Rock zu sehen, der in den 1920er Jahren die Flora und die Minderheiten Südwestchinas studiert hat - ein besonderes Anliegen des Ausstellungsorganisators Karel Dudesek. Dudesek möchte aus dem österreichisch-chinesischen Kunstprojekt eine Dauereinrichtung machen. Und er würde sich wünschen, dass daraus auch ein Austausch wird. So könnten auch chinesische Künstler sozusagen nach Österreich entsandt werden und ihre Werke dort ausstellen.

Dass er das ganze Projekt wahrlich als kulinarisch ansieht, ist schon ein zweites Mal auch dem Titel zu entnehmen. Der ersten Ausstellung hat er den Namen "mifan" gegeben, also "Reis". Die diesjährige heißt "da bao", also "zum Mitnehmen". Nach dem gedämpften Reis das Takeaway. Welche Künstler im nächsten Jahr gezeigt werden, weiß man noch nicht, aber sie können wohl davon ausgehen, dass sie dem chinesischen Publikum wieder unter einem Titel, der irgendetwas mit essen zu tun hat, schmackhaft gemacht werden.