Grasser: Kein Auftrag der Schwiegermutter?

Er habe eine halbe Million Euro im Auftrag der Schwiegermutter angelegt, sagt Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Diese habe aber so einen Auftrag nie erteilt, berichtet das Magazin "Format". Das würde zum Verdacht der Ermittler passen, es könnte sich um Schmiergeld aus der Buwog-Affäre gehandelt haben. Gassers Anwalt spricht von einem "bewussten Missverständnis".

Morgenjournal, 07.10.2010

Zitate aus der Einvernahme

Seit Monaten hegt die Staatsanwaltschaft den Verdacht, dass das 500.000-Euro-Investment Grassers für seine Schwiegermutter in Wahrheit Provisionszahlungen aus der Buwog-Affäre sein könnten - was der Ex-Finanzminister vehement bestreitet.

Er hatte zuletzt immer wieder beteuert, das Geld von seiner Schwiegermutter Marina Giori-Lhota erhalten zu haben. Und zwar beim familiären Mittagessen zu Hause bei Marina Giori-Lhota im schweizerischen Zug: "Sie hat gesagt, nimm das Geld und wir schauen einmal, wie du es veranlagen kannst", zitiert "Format" Grassers Aussagen vor der Staatsanwaltschaft aus dem Einvernahme-Protokollen. Er habe das Geld dann in ein Kuvert gesteckt, so Grasser bei seiner Einvernahme. "Kann man das in ein Kuvert geben", fragt der Staatsanwalt? In ein schmales geht das nicht hinein." - "Ich hab es reingegeben in ein größeres A4-Kuvert", so Grassers Antwort.

Er habe das Schwiegermutter-Geld in drei Tranchen von der Schweiz über Kitzbühl nach Wien gebracht, später bei der Meinl-Bank angelegt und als Treugeber in die umstrittenen Hypobank-Genussscheine von Thilo Berlin investieren lassen. Das Ergebnis ist bekannt: ein Gewinn in Höhe von 250.000 Euro, laut Grasser für die Schwiegermutter.

Anwalt weist Vorwurf zurück

Für Grassers Anwalt Manfred Ainedter ist das eine "skandalöse Missinterpretation". Grassers Schwiegermutter habe vielmehr die Vorwürfe gegen den Schwiegersohn bestritten, sagt Ainedter. Und führt ins Treffen, dass Grasser bei seiner letzten Einvernahme im August von der Staatsanwaltschaft nicht zur Aktennotiz der Polizei befragt wurde. "Das hätte man ja getan, wenn man der Meinung wäre, dass sie diese Vorgänge bestreitet", sagt Ainedter.

Keine Aussage der Schwiegermutter?

Laut der Einvernahme-Protokolle, die "Format" vorliegen, hatte Grasser allerdings bei seinen Befragungen zur Bargeldaffäre seine Frau und seine Schwiegermutter als Zeugen angeführt. "Warum sind die nicht bereit auszusagen?", fragt der Staatsanwalt. Grasser darauf: "Ich würde mir sehr wünschen, dass vor allem meine Schwiegermutter eine Aussage dazu abgibt". Ein Wunsch, den Giori-Lhota bisher offenbar nicht erfüllt hat, trotz der höchst erfolgreichen Geldvermehrung durch ihren Schwiegersohn.