Leitl: China als Partner

Chinas riesiger Markt sei eine große Chance für Österreich, meint Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl anlässlich des Staatsbesuchs von Chinas Präsident Hu Jintao. Die Zeit der billigen chinesischen Arbeitskräfte sei vorbei, sagt Leitl. Jetzt müssten Europa und China gleichwertige Partner werden.

Morgenjournal, 31.10.2011

Barbara Krommer im Gespräch mit Christoph Leitl

China im Zwiespalt

Europa hofft derzeit auf Finanzspritzen aus China für den Euro-Rettungsfonds. Laut Leitl steckt China in einem Zwiespalt. Denn auf der einen Seite habe China das Gefühl, dass man sie wolle, andererseits vermittle man China, dass sie zu dominant werden. Leitl kann das nicht nachvollziehen. Er begrüßt chinesische Investitionen in Europa. "Wir kaufen uns in China ein und die Chinesen kaufen sich in Europa ein. Das ist eine gleichwertige Partnerschaft", sagt Leitl.

"Lähmen uns selbst"

Leitl glaubt nicht, dass China Europa wirtschaftlich überholen wird. Das hänge aber davon ab, ob Europa die Kraft habe, den Mut und Optimismus zu entwickeln, den es in China schon gebe. "Manchmal zweifeln wir zu sehr an uns selbst und lähmen uns damit. Bei der Bildungsreform, beim Abbau der Bürokratie und in anderen Dingen geht zu wenig weiter. Da sind die Asiaten einfach schneller, beweglicher und mutiger", so Leitl. Österreich dürfe seine Zukunft nicht verschlafen. Österreich habe sehr viele Möglichkeiten, die es zu nützen gelte.

Ähnliche Mentalität

Dazu zählen etwa auch Investitionen in China. Diese hätten sich absolut bewährt, meint Leitl. Unternehmen wie Leiterplattenproduzent "AT&S", "Linz Textil" oder Faserhersteller "Lenzing" seien sehr zufrieden in China. Es sei ein riesiger Markt. Außerdem sei die chinesische Mentalität der österreichischen nicht unähnlich.

Umwelt große Chance

Die Investitionen Chinas in zahlreiche Umwelttechnologien seien eine ganz gewaltige Chance für Österreich, so Leitl. Österreich sei bezüglich erneuerbarer Energie und Umwelttechnologie Pionier in Europa. Die Chinesen hätten genau dieses Thema zum großen Schwerpunkt ihres nächsten Fünfjahresplanes gemacht. Diese Chance müsse Österreich nun konsequent nützen.

Keine billigen Arbeiter mehr

Leitl glaubt, dass die Zeit der billigen chinesischen Arbeitskräfte schon vorbei ist. Günstige Arbeiter gebe es wohl nur mehr in Zentralchina. An der Küste würden China sogar Arbeitskräfte fehlen, sagt Leitl. "Außerdem ist Energie teuer, die Infrastruktur wird immer komplexer. Das aufstrebende China hat ganz ähnliche Probleme wie Industrienationen. Wer wegen billiger Löhne nach China gehen will, der sollte das bleiben lassen", sagt Leitl.

Probleme in China

Neben Investitionschancen gibt es aber auch Probleme wie Rechtsunsicherheit und Probleme mit dem Patenschutz. Das sieht auch Leitl so. Die Wirtschaftskammer würde auch immer wieder darauf hinweisen. Ziel müsse sein, dass Österreich immer zwei Jahre voraus ist bei der Entwicklung neuer Technologien. "Denn wenn die Chinesen ein Produkt nachbauen, müssen wir halt schon ein neues entwickeln. Das ist viel besser als rechtliche Schutzmechanismen", sagt Leitl.