Chinas Präsident Hu Jintao in Österreich

Chinas Staatschef Hu Jintao ist seit Sonntagabend in Österreich. Die zwei Tage des Staatsbesuchs sollen genutzt werden, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und China zu intensivieren. Denn nach den USA ist China der wichtigste Exportpartner Österreichs in Übersee und in der gegenwärtigen Krise der Währungsunion werden große Hoffnungen in China gesetzt.

Morgenjournal, 31.10.2011

"Mächtigster Mann der Welt"

Der mächtigste Mann der Welt besucht Österreich – zumindest wenn es nach dem US-amerikanischen Magazin "Forbes" geht. Das Magazin hat Hu Jintao im vergangenen Jahr zur wichtigsten Persönlichkeit weltweit erklärt. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Präsidenten nicht. China ist die aufstrebende Weltmacht, Exportweltmeister und Gläubiger des Westens.

Menschenrechte sind Thema

China ist an österreichischem Know-How interessiert. Hu Jintao reist daher mit einer großen Delegation nach Wien. Auch in Österreich ist Chinas Präsident darauf vorbereitet, dass auch die heikle Frage der Menschenrechte zur Sprache kommt. Diplomatische Verstimmungen sind trotzdem nicht zu erwarten. Bundeskanzler Werner Faymann von der SPÖ hat bei seinem Besuch in Peking nicht nur Präsident Hu, sondern auch einen Dissidenten getroffen. Zuvor hat Außenminister Michael Spindelegger von der ÖVP den Regimekritiker und Künstler Ai Weiwei besucht.

Eiszeit nach Dalai Lama-Besuch

Das haben Chinas Politiker Österreichs Spitzenpolitiker aber nachgesehen. Anders war es 2007. Damals hat Bundeskanzler Alfred Gusenbauer(SPÖ) den Dalai Lama im Bundeskanzleramt empfangen, was zu einer monatelangen diplomatischen Eiszeit zwischen China und Österreich geführt hat.

Werben um Geld aus China

Österreich ist nicht die wichtigste Station der Europareise von Hu Jintao. Am Donnerstag treffen sich in Frankreich die Führer der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Auch wenn es beide Seiten abstreiten: Europas Politiker werden wohl um die Unterstützung von China werben, damit das Land auch in den Euro-Rettungsfond investiert. Ob China diesem Wunsch nachkommen wird, ist derzeit offen. Konkrete Zusagen gibt es nicht.

China will Respekt

Chinas Vize-Außenministerin Fu Ying sagte in einer Stellungnahme: Sie hoffe, dass sich Europa von der Krise erhole und sich nach dieser schweren Krise noch besser integriere und nach besseren Lösungsmechanismen für zukünftige Krisen suche. China wolle von Europa auch, dass man sich gegenseitig respektiere und alte Vorurteile abbaue.

Reformen im Finanzsystem

Chinesische Medien haben jüngst kritisiert, dass manche in Europa ein stärkeres Engagement von China eigentlich gar nicht wollen. Eines wird Präsident Hu seinen Gesprächspartnern in Frankreich mitteilen: China pocht auf Reformen im Weltfinanzsystem und will bei wichtigen Entscheidungen künftig am Tisch sitzen.