China kauft sich in Europa ein

China ist bereit, den USA und Europa mit neuen Investitionen zur Hilfe zu kommen. Das sagte Chinas Premier Wen Jiabao zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in der nordchinesischen Stadt Dalian. Europa und die USA müssten allerdings ihre Schuldenprobleme endlich in den Griff bekommen. Wie genau China zu Hilfe kommen will, ließ Jiabao noch offen.

Mittagsjournal, 14.09.2011

Aus Peking,

Retter in der Not

Als Gastgeber für die Gipfel des Weltwirtschaftsforums hat sich Davos in der Schweiz fix etabliert. Doch in den vergangenen Jahren finden die Sommertreffen des Forums in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian statt. Und so vermarktet sich Dalian mittlerweile gerne selbst als Sommer-Davos - eine Plattform für den Gastgeber China sich als verantwortungsvolle Wirtschaftsmacht zu präsentieren - China als Retter in der Not für die strauchelnden Volkswirtschaften des Westens. Und so verspricht Premier Wen Jiabao heute vor den fast 2000 Delegierten aus aller Welt Investitionen vor allem in Europa. Und macht aber auch eines gleich klar: obwohl China auf einem Berg an Devisenreserven sitzt, zu verschenken hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde nichts.

Hilfe angeboten mit Bedingungen

China erwartet sich Gegenleistungen, soll man den Europäern und den USA unter die Arme greifen, mehr Offenheit gegenüber Investitionen chinesischer Firmen im Westen sowie eine Aufhebung der Exportbeschränkungen bei High-Tech-Gütern an China.

Wen Jiabao spricht von Instabilität und Unsicherheiten in der globalen Wirtschaft. China sei bereit eine helfende Hand auch Richtung Europa auszustrecken. Doch müssten Europa und die USA ihre Schuldenkrise endlich bewältigen und Ordnung schaffen, sagt der Premierminister. Man sei bereit in Europa mehr zu investieren.

Warnungen ernst nehmen

Zu Spekulationen der vergangene Tage wonach China Staatsanleihen strauchelnder Schuldenstaaten wie Italien in großem Stil aufkaufen könnte, zu diesen Spekulationen nahm Wen Jiabao mit keinem Wort Stellung. Analysten warnen ohnehin vor zu großer China-Euphorie in europäischen Schuldenstaaten. Erwartungen an China hätten sich schon in der Vergangenheit kaum erfüllt, sagen sie. Denn obwohl die Regierung in Peking immer wieder ihr Vertrauen in die Kreditwürdigkeit angeschlagener Euro-Länder betont hat, dürfte der Anteil etwa portugiesischer oder griechischer Staatsanleihen, die sich in chinesischem Besitz befinden, relativ bescheiden sein.