21er Haus wird eröffnet

Das 20er Haus am Wiener Südbahnhof wird am Dienstag, 15. November 2011 wiedereröffnet. Unter dem neuen Namen 21er Haus wird es als neues Museum für zeitgenössische Kunst fungieren, organisatorisch zugeordnet der österreichischen Galerie im Belvedere.

Das Ziel von Belvedere-Direktorin Agnes Husslein: an die legendären Kunstevents anzuschließen, die hier seit 1962 stattfanden, als das Haus als erstes zeitgenössisches Museum nach dem Krieg eröffnet wurde.

Mittagsjournal, 15.11.2011

Installation mit roten Läufern

Heute ist der EXPO-Pavillon des Jahres 1958 - entworfen von Karl Schwanzer - von einer staatstragenden endlosen Flagge umwickelt. Auch im Inneren ist das leichte, lichtdurchflutete Gebäude durchzogen von roten Läufern, die kreuz und quer vom Boden auf die Galerie reichen und wieder zurück.

Diese Installation des Künstlers Markus Geiger markiert Wege, die die Besucher in ihrer Phantasie beschreiten könnten. Ein Aufbruch wie 1962, als man sich beim ersten Betreten des Museums "wie auf exterritorialem Boden vorkam", wie ein Zeitzeuge damals den Einbruch in die traditionelle heimische Museumslandschaft beschrieb.

Anknüpfen an interdisziplinäre Tradition

An diese Tradition soll nun angeknüpft werden, wie eine der Kuratorinnen, Cosima Rainer erklärt: "Das ist uns auch wichtig, an diese tolle Geschichte des Hauses auch anzuknüpfen, dass hier immer sehr viel interdisziplinäres Programm stattgefunden hat - schon bei Werner Hofmann, dem Gründungsdirektor, mit Ausstellungen zu den Themen Musik, Film; dann später mit Alfred Schmeller, der mit der Arena und den Wiener Festwochen Kooperationen gemacht hat. Wir haben auch dieses wunderbare Kino, für das sich meine Kollegin Bettina Steinbbrügge höchst engagiert hat, damit das wiedereröffnet werden kann."

Das Kino, der Wotruba-Ausstellungsraum im Untergeschoß und die insgesamt über 2.000 Quadratmeter großen Ausstellungsflächen sollen dafür sorgen, dass interdisziplinäre Kunst hier wieder groß geschrieben wird. Während die jetzige Ausstellung das 21er Haus vor allem als architektonisches Meisterwerk inszeniert, ist bereits im Jänner eine Ausstellung zum Thema "Gesamtkunstwerk" geplant.

Wunsch nach dem Ganzen

"Wir sind von jungen Künstlern ausgegangen und gehen dann bis in die 50er Jahre zurück und versuchen auszuloten, was das Gesamtkunstwerk heute noch sein kann - in Zeiten von Fragmentierung, wo eigentlich alles verfällt und man das Gegenteil vom Ganzen hat. Es gibt aber einen Wunsch danach - immer noch", sagt Kuratorin Bettina Steinbbrügge.

Das Herz eines neuen Stadtteils

Insgesamt 31,9 Millionen Euro hat der Umbau des 21er Hauses gekostet, das sozusagen das Herz des neu entstehenden Stadtteils rund um den neuen Zentralbahnhof werden soll. Belvedere-Direktorin Agnes Husslein freut sich, das Bauprojekt trotz Wirtschaftskrise durchgestemmt zu haben. Trotzdem fand sie es entmutigend, "dass insgesamt für Banken, für bankrotte Unternehmen, Millionen, Milliarden investiert werden - und der Kunst wird mit Tröpferln hier und da eine Portion beigegeben. Aber über was definiert sich Österreich? Über die Kunst, die Kultur dieses Landes und vielleicht noch über die schöne Landschaft."

Ab Dienstag, 15. November 2011 also ist das 21er Haus ein kräftiges Lebenszeichen der Kulturnation Österreich.

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Belvedere – 21er Haus