Katzen, Körper, Krieg der Knöpfe

Als Autor fein konstruierter und psychologisch diffiziler Bücher hat sich Paulus Hochgatterer einen Namen gemacht. Vor sechs Jahren hat sich der in Wien lebende Kinder- und Jugendpsychiater auf neues Terrain begeben: Er hat das Genre des Kriminalromans für sich entdeckt und zwei Bestseller gelandet. Jetzt hat sich Paulus Hochgatterer Gedanken gemacht über das Wesen der Dichtung.

Die Züricher Poetikvorlesungen stehen im Mittelpunkt seines jüngsten Buches, das er am Mittwoch, 1. Februar 2012, im Posthof in Linz präsentiert. Der Titel: "Katzen, Körper, Krieg der Knöpfe".

Kulturjournal, 01.02.2012

Kristina Pfoser im Gespräch mit Paulus Hochgatterer

Kultur aktuell, 01.02.2012

Es war die titelgebende Katze, die Paulus Hochgatterer gelehrt hat, dass man sich nicht immer entscheiden muss. In seinem Fall zwischen zwei Berufen, dem des Kinderpsychiaters und dem des Autors: "Katzen bringen einem bei, dass man immer das sein sollte, was man gerade ist", meint Hochgatterer.

Der Psychiater und der Autor - gern begleitet man die beiden auf ihren Gedankengängen, die schließlich um eine gemeinsame Mitte kreisen, und zwar um die Erzählung und nicht zuletzt auch um die Frage: "Was ist das eigentlich, was wir Wirklichkeit nennen?" Hochgatterer glaubt, "dass das im Wesentlichen Erzählung ist und dass wir uns das, was wir glauben, dass real ist, in Wahrheit zu einem großen Teil zu Recht erzählen".

Erinnerungen an die eigene Kindheit

Von wegen graue Theorie - Paulus Hochgatterers Betrachtungen über die schöne Kunst des Schreibens sind kurzweilige Erzählungen, gespickt mit Anekdoten und Erinnerungen an die eigene Kindheit.

Laut Erzählungen seiner Mutter hätte er bereits mit eineinhalb Jahren über die Nachbarstochter gesagt: "Karin schreiben" - noch bevor er "Mama" und "Papa" gesagt hat. Dadurch sei in seinem Fall ein "Mythos der ersten Worte" entstanden, erzählt Hochgatterer.

Sich selbst überflüssig machen

Am Anfang war das Schreiben und bis heute ist es das große Thema Kindheit und Sprache, das Paulus Hochgatterer, wie er sagt, sein ganzes Leben lang begleitet hat.

"Es gibt Kinder, denen ist es nicht gegönnt, so glatt und frei und ohne Hindernis von dem zu erzählen, was ihre Erfahrungen sind und was ihr Leben ausmacht", sagt Hochgatterer. "Das sind die Kinder, denen entweder nichts anderes übrig bleibt als der Schrei, oder die Kinder, denen die Sprache verloren geht, weil sie sich nicht bewährt, die dann verstummen." Diesen Kindern gibt Paulus Hochgatterer in seinen Romanen eine Stimme.

Und den Eltern empfiehlt er in seinen Poetik-Vorlesungen: "Kümmert euch um sie und lasst sie dann in Ruhe". Allerdings: "Das ist überhaupt nicht einfach, sondern das ist das Schwierigste überhaupt", meint Hochgatterer, und: Die Aufgabe der Eltern sei es letztlich, sich selbst überflüssig zu machen.

Textfassung: Ruth Halle

Service

Paulus Hochgatterer, "Katzen, Körper, Krieg der Knöpfe. Eine Poetik der Kindheit", Deuticke Verlag