Syrien: Christen zur Flucht gezwungen

In Syrien gerät die christliche Bevölkerung des Landes zunehmend zwischen die Fronten. Das berichtet Silvanus Petros, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Homs und Hama, der gerade in Wien zu Besuch ist.

Mittagsjournal, 26.4.2012

Zur Flucht getrieben

Gefahr droht den Christen nicht nur durch die Gewalt des Militärs sondern auch durch radikalislamische Terrorgruppen, die im Gefolge der Rebellenbewegungen Kirchen und Geschäfte plündern. Ziel der Islamisten ist es, die Christen aus dem Land zu vertreiben, so der Erzbischof.

Die Christen in Syrien werden im Bürgerkrieg zwischen den Fronten aufgerieben und stehen mittlerweile vor dem Nichts - 50.000 Christen haben bereits die Stadt Homs verlassen und in den Dörfern Zuflucht gesucht.

"Einziges Drama"

Erzbischof Petros berichtet in dem Pressegespräch in Wien, dass bereits 250 Christen ums Leben gekommen sind. Tausende Wohnungen und Häuser wurden geplündert oder zerstört. Niemand wisse, ob man jemals wieder nach Homs zurückkehren könne. Die Situation sei "ein einziges Drama". Trotzdem würden die Christen versuchen, im Land zu bleiben. Erzbischof Petros: "Wenn wir einmal auswandern wird es wohl keine Möglichkeit mehr zur Rückkehr geben." Sein eigener Amtssitz sei schon vor einem Monat von Aufständischen beschlagnahmt worden, die dort einen Stützpunkt einrichteten. Auch ein angeschlossenes Waisenhaus habe die Kirche räumen müssen. Die Kinder seien notdürftig in Dörfern untergebracht worden. In den Dörfern gebe es für die Flüchtlings- und Waisenkinder aber keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen.

Eine Lösung der Krise könne nur in einem friedlichen Dialog gelingen, betont Erzbischof Roham: "Wir Christen sind im aktuellen Konflikt neutral. Wir wollen gute Beziehungen zu allen Konfliktparteien."