Auf der Suche nach leistbarem Wohnen

Die Mieten in Österreich sind in den vergangenen zehn Jahren stärker gestiegen als die Inflation und auch stärker als die Einkommen. Und das obwohl Österreich hinter Frankreich das europäische Land mit der höchsten Wohnbautätigkeit ist.

Mittagsjournal, 27.8.2013

Zu wenig Neubau

Österreich galt lange als Musterbeispiel für leistbaren Wohnraum. Aber jetzt steigen auch hierzulande die Mieten. Wohnen kostet um 16 Prozent mehr als noch vor vier Jahren, klagt etwa Karin Edtbrustner vom Salzburger Mieterschutz-Verband: "Wohnen ist mittlerweile ein Problem des Mittelstandes. Teilweise sind wir im Bereich von 40 bis 50 Prozent des Haushaltseinkommens, das die Mieter für das Thema Wohnen aufwenden müssen."

Aber in Österreich ist der Mittelstand eigentlich Ziel der Wohnpolitik, erklärt Andreas Oberhuber von der Wiener Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen: "Wir haben mit der Wohnbaufinanzierung ein System entwickelt und nie unterbrochen, das sehr gute Kennzahlen aufweist. Das Problem: Wir haben zwar eine weit überdurchschnittliche Fertigstellungsrate an Wohnungen, allerdings ist der Anteil der geförderten Wohnungen in den letzten Jahren zurückgegangen - deutlich." Derzeit fehlen geschätzte 7.000 geförderte Wohnungen pro Jahr, bis zu 50.000 Wohnungen sind es insgesamt.

Der Markt ist stark reguliert. Nach einer Studie der Bank Austria werden von den 1,5 Millionen Hauptmietwohnungen nur 320.000 Wohnungen privat vermietet. Und trotzdem steigen die Mieten im EU-Schnitt überdurchschnittlich stark. Nicht zuletzt, weil bei Neuvermietung oft hohe Zuschläge eingehoben werden, heißt es in der Studie. Der Druck entweicht nur durch mehr Angebot, mahnt auch der Salzburger Immobilienmakler Franz Stiller: "Es fehlt die Neubauleistung. Nur das Angebot regelt den Markt."

Reihe von Maßnahmen angeregt

Jedes Jahr werden 1,3 Prozent der Wirtschaftsleistung aufgewendet, aber derzeit sinken die Förderzusagen stark. Das liegt auch den vielen Vorschriften, die Wohnbau unnötig verteuern, erklärt Sne Veselinovic. Die Architektin hat große Sozialwohnprojekte in Wien realisiert, etwa am Nordbahnhof, wo 20.000 Menschen leben werden und klagt über eine "Normenflut". Zum Beispiel wurden die Fluchtwege verlängert, ohne dadurch mehr Sicherheit für die Bewohner zu gewinnen.

Preistreiber sind auch die Grundstückskosten. 260 Euro pro Quadratmeter ist die Obergrenze im geförderten Wiener Wohnbau, die Angebotspreise liegen mit bis zu 500 Euro deutlich höher. Ein Fall für die Politik, genauer gesagt die Raumordnung, sagt Experte Oberhuber. Er regt an, Widmungen für geförderten Wohnbau zu entwickeln und damit zu verhindern, dass Grundstückspreise ein zu hohes Niveau überschreiten. Die nächste Bundesregierung müsse auch das Mietrecht reformieren. Da gebe es eine Fülle von Ausnahmen "und ich frage mich, ob das auch modern ist", so Oberhuber. "Das Mietrecht muss wieder für Vermieter angstfrei werden", sagt Immobilienmakler Stiller. Die Liste der Experten ist lang und reicht von Raumordnungsfragen bis hin zum Ausholzen im Verwaltungsdickicht.