"Klartext spezial"

Glawischnig: Grüne wollen mitregieren

Eva Glawischnig, die Spitzenkandidatin der Grünen, hat gestern "Klartext" gesprochen: Glawischnig will nach dem 29. September mitregieren. Zum Auftakt von "Klartext Spezial", der Ö1-Interviewreihe zur Nationalratswahl, schloss Glawischnig auch eine Zusammenarbeit mit Frank Stronach doch nicht ganz aus.

Publikum im Aufnahmestudio

(c) Schimmer, EPA

Morgenjournal, 3.9.2013

Pläne für "Danach"

Es war eine Ö1-Premiere auf Radio Ö1: Gestern Abend war Eva Glawischnig zu Gast in einem 45-minütigen und live gesendeten Interview für die neue Sendung "Klartext Spezial". Gabi Waldner und Hannes Aigelsreiter befragten die Grünen-Chefin als erste der Spitzenkandidaten der sechs Parlamentsparteien. Eva Glawischnig sagte, dass sie mit ihrer Partei mitregieren will, aber keinesfalls mit der FPÖ. Eine Koalition mit Frank Stronach schloss sie nicht ganz aus. Sollten sich die Grünen ihre Zuständigkeiten in der Regierung aussuchen können, wären "Grüne Arbeitsplätze", Landwirtschaft oder die Energiepolitik die erste Wahl. Den Bau von Wasser- und Windkraftwerken will die Grünen-Spitzenkandidatin auch gegen den Widerstand von Bürgern durchsetzen.

Windkraft und Fußgängerzonen

Nachbarn und Bürger sollen beim Bau von Wasser- oder Windkraftwerken zwar angehört werden. Für Eva Glawischnig sollen bei erneuerbaren Energieanlagen aber die gleichen Maßstäbe gelten, wie bei jeder Industrieanlage. Der Widerstand gegen den Bau von Windparks geht der Grünen-Chefin oftmals zu weit. So dürften in Niederösterreich Schotteranlagen bis zu 200 Meter an Wohnhäuser gebaut werden, Windkraftanlagen brauchten einen Kilometer Abstand. "Und trotzdem wird hier der Eindruck erzeugt, es gebe Interessen, über die drübergefahren wird."

Dieser von Eva Glawischnig angesprochene Eindruck des Drüberfahrens verfolgt die Grünen-Bundeschefin aber auch aus der Wiener Landespolitik. Dort sind die Grünen in der Regierung und versuchen die umstrittene Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße gegen viel Widerstand durchzusetzen. Eva Glawischnig bleibt dennoch bei ihrer Unterstützung für das Projekt: Dass es hier viel Konfliktpotenzial gebe, sei eine einseitige Darstellung. Solche Probleme gebe es in allen Metropolen der Welt.

Fleischverzicht und Ordnungsliebe

Mehr Platz will die Grünen-Chefin nicht nur für Fußgänger, sondern auch für die Tiere in der Landwirtschaft. Auf die Frage, ob durch mehr artgerechte Tierhaltung auch die Preise für Lebensmittel steigen, antwortet Eva Glawischnig damit, dass der Anteil der Lebensmittel an den Ausgaben eines Haushalt deutlich gesunken sei. Wer Billigfleisch möchte, fördere die Massentierhaltung, sagt Eva Glawischnig. Sie empfiehlt, den Fleischkonsum generell zu reduzieren. Das sei auch besser für die Umwelt.

Neben dem Autofahren in der Stadt und dem Fleischkonsum steht die Grünen-Chefin auch dem Zigarettenrauchen kritisch gegenüber. Auf die Frage, ob sie damit nicht als Spaßbremse dasteht, antwortet Eva Glawischnig, dass sie sehr wohl Spaß versteht und zuletzt sogar über einen politisch unkorrekten Witz gelacht hat. Welcher Witz das war, verrät sie aber nicht. Als Spaßbremse sieht sich Eva Glawischnig also nicht, eine gewisse Ordnungsliebe gibt sie aber zu: "Nach dem TV-Duell mit Heinz-Christan Strache habe sie zuhause noch den Boden aufgewischt, "um mich zu entspannen."