Sport-Förderung: Kritik auch von innen
Die Kritik an der Sport-Organisation in Österreich - wir haben darüber im Morgenjournal berichtet - wird auch von vielen geteilt, die in diesem System drinnen sind. Es gibt Tendenzen zur Entmachtung der roten und schwarzen Dachverbände, auch der Wechsel an der Spitze der Bundes-Sportorganisation BSO im November wird von vielen als ein Reformsignal gewertet. Als drängendstes Problem gilt der Mangel an Sportstätten.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 10.10.2013
Sportstätten-Misere
Verfilzt und ineffizient, das ist der Kern der Kritik am Sport-System in Österreich. Weil SPÖ und ÖVP Teil dieses Systems sind, werde es auch nicht reformiert. Und der Sportminister sei machtlos, weil eigentlich unzuständig. Sport ist nämlich Landessache. Es haben sich aber im System jetzt Kräfte zusammengeschlossen, die eine Neuausrichtung wollen. Der Generalsekretär des Leichtathletik-Verbandes, Helmut Baudis, führt die Reformer an - und er fordert von der Politik "ein Miteinander des Sportministers, wer immer das sein wird, mit den Ländern, um die Defizite abzubauen."
Wobei Baudis das größte Defizit eindeutig in der Sportstätten-Misere sieht. So gebe es in Wien keine Anlage, wo man Leichtathletik-Staatsmeisterschaften ausrichten könnte, oder keine Halle, wo die Handballer spielen könnten. "Und so kann man das durchgehen, bei anderen Sportarten schaut's genauso aus." Ohne Trainings-Infrastruktur werde es keine Spitzenleistungen geben, so Baudis.
Wechsel an BSO-SPitze
Andere Fachverbände stehen hinter Baudis. Die Reformer erhoffen sich Rückenwind auch vom bevorstehenden Wechsel an der Spitze der Bundes-Sportorganisation. Neuer Präsident der BSO wird Herbert Kocher von der roten ASKÖ, er löst den SPÖ-Abgeordneten Peter Wittmann ab - der gleichzeitig auch ASKÖ-Präsident ist. Die Fachverbände sehen Kocher, der keine Spitzenfunktion in der ASKÖ hat, als eine Stärkung der Fachverbände und damit der Anliegen des Sports insgesamt und weniger der Vereine.
Noch BSO-Präsident Wittmann - von vielen gerade in den Fachverbanden als Teil des Problems gesehen, sein Abgang als Teil der Lösung - sagte gegenüber dem Ö1-Mittagsjournal: Man sei gerade dabei, das neue Sportförderungsgesetz umzusetzen, das mit 1. Jänner 2014 in Kraft trete. Die Kritiker hätten das offenbar verschlafen. Was Wittmann nicht dazusagt: Das neue Gesetz war natürlich ein Kompromiss und geht auch vielen in der BSO zu wenig weit.
