Salzburger Festspiele

Zahlreiche Höhepunkte sind im Festivalsender Ö1 mitzuerleben: darunter Sufi-Gesänge, die Premiere von "Charlotte Salomon", Bruckner-Symphonien oder der "Rosenkavalier".

West-östliche Begegnungen

Die "Ouverture spirituelle", der musikalische Dialog der Weltreligionen, mit dem die Festspiele seit drei Jahren ihr Programm einleiten, widmet sich heuer dem Kulturkreis des Islam: Das betrifft die Interpreten wie etwa die Musiker des Sufi-Ordens Al-Tariqa al-Gazoulia, aber auch die beiden in Österreich lebenden Ägypter Hossam Mahmoud und Amr Okba, die sich mit Auftragswerken in der Kollegienkirche präsentieren werden.

Hossam Mahmouds Komposition "Seelenfäden" nach einem Text eines mittelalterlichen Sufi-Mystikers ist ein west-östliches Gemeinschaftswerk, vereint es doch die Derwische aus Kairo mit dem Salzburger Bachchor und dem oesterreichischen ensemble für neue musik.

Dritter orientalischer Composer in Residence ist schließlich der in Berlin lebende palästinensisch-israelische Komponist Samir Odeh-Tamimi. Seine Vertonung von Texten eines Sufi-Mystikers für Chor, Blechbläser und Schlagzeug steht Anton Bruckners e-Moll-Messe und einem Hymnus der Hildegard von Bingen gegenüber, gesungen und gespielt vom Chor und von Mitgliedern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Womit die "Ouverture spirituelle" den Bogen schlägt zur geistlichen Musik des Abendlandes.

Live im Festivalsender

Die Ö1 Übertragungen beginnen am Sonntag, den 27. Juli live mit der Mozart-Matinee. Die selten zu hörende "Franziskus-Messe" von Michael Haydn mag eine Anspielung auf den populären Pontifex maximus sein - mit der Freimaurerkantate "Laut ­verkünde unsere Freude" und der "Linzer Symphonie" wird die Mozart-Matinee aber wieder ihrem Namen gerecht.

"Charlotte Salomon"-Premiere

Tags darauf erwartet die Ö1 Hörerinnen und Hörer ein Höhepunkt des Salzburger Festspielsommers 2014: die Live-Übertragung der Premiere der Oper "Charlotte Salomon" des 52-jährigen Franzosen Marc-André Dalbavie.

Nach vier Jahren präsentieren die Festspiele damit erstmals wieder eine Opern-Uraufführung. Die Librettistin Barbara Honigmann verarbeitet darin die Lebensgeschichte der jüdischen Malerin Charlotte Salomon, die 1943 im Alter von 26 Jahren in Auschwitz ermordet wurde.

Ausgangspunkt dafür ist das in über 1.300 Gouachen gemalte autobiografische Theaterstück "Leben? oder Theater?", ein "Singespiel", wie sie es nennt, das die gebürtige Berlinerin Charlotte Salomon im Haus ihrer Großeltern in der Abgeschiedenheit der Emigration in Südfrankreich gemalt und geschrieben hatte.

Ein multimediales Kunstwerk

Das multimediale Kunstwerk ist wie ein Bühnenstück inszeniert: In Nahansichten und angeschnittenen Perspektiven, schnellen Bildfolgen und comicartig reduzierten Texten verdichtet Charlotte Salomon ihr Leben. Äußerer Anlass ist eine Lebenskrise, hervorgerufen durch den Selbstmord der Großmutter und die Nachricht vom Freitod der Mutter.

Im Prolog zitieren Honigmann und Dalbavie das Vorwort der Charlotte Salomon im Original: "Der Mensch sitzt am Meer. Er malt. Eine Melodie kommt ihm plötzlich in den Sinn. Indem er sie zu summen beginnt, bemerkt er, dass die Melodie genau auf das, was er zu Papier bringen will, passt. Ein Text formt sich bei ihm, und nun beginnt er die Melodie mit dem von ihm gebildeten Text zu unzähligen Malen mit lauter Stimme so lange zu singen, bis das Blatt fertig ist ..."

Die deutsche Schauspielerin Johanna Wokalek spielt die Charlotte Salomon, ihr Alter Ego Charlotte Kann wird von der französischen Sopranistin Marianne Crebassa interpretiert. Regisseur dieser zweisprachigen Produktion in der Felsenreitschule ist Luc Bondy, der Komponist Marc-André Dalbavie steht selbst am Pult des Mozarteumorchesters Salzburg.

Weitere Höhepunkte

Ergänzend dazu sind Orchesterwerke des französischen Composer in Residence unter anderem im Konzert des Klangforum Wien in der Kollegienkirche und im Konzert des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien zu hören. Unser RSO trägt dabei mit der Ersten Symphonie von Anton Bruckner auch zum Bruckner-Zyklus der Festspiele bei.

Opernfreunden schließlich seien noch die Übertragungen von "Der Rosenkavalier" als Hommage an Richard Strauss, die Schubert-Rarität "Fierrabras" und Verdis "Il trovatore" mit Anna Netrebko als Leonora ans Herz gelegt.