Wien und sein Welterbe

Wird Wien der Weltkulturerbe-Status aberkannt? Jedenfalls steht die Stadt Wien auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung der UNESCO-Welterbekommission, die vom 28. Juni bis 8. Juli in Bonn stattfindet. Der Stein des Anstoßes: das Investorenprojekt am Wiener Eislaufverein.

  • Blick über Wien, Fotomontage

    Architekt Andreas Vass: "Hart formuliert, hat die Stadt Wien die UNESCO angelogen. In den Dokumenten zum Welterbe, die die Stadt herausgebracht hat, ist davon die Rede, dass die Welterbezone Wien Innere Stadt eine Ausschlusszone im Hochhauskonzept ist."

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  • Blick über Wien, Fotomontage

    Gefordert wurde, dass Investoren innerhalb eines von der Stadt vorgegebenen ganz klaren Regelwerkes bauen sollen. So wie das vor 150 Jahren auch die Privaten Spekulanten an der Wiener Ringstraße gemacht haben. Wie Architekt Franz Denk ausführte, wurde die allererste Ringstraßenbebauung äußerst komplex aufeinander abgestimmt.

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  • Blick über Wien, Fotomontage

    Während es damals klare Bebaungsbestimmungen gab, sind die Regelwerke im heutigen Wien äußerst durchlässig. Stadtforscherin Renate Banik-Schweitzer brachte ein Beispiel: "Der Herr Benko hat keine Ausnahebewilligung bekommen, dass er die Länderbank um vier Stockwerke erhöhen durfte, der Investor am Eislaufverein sehr wohl ..."

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  • Blick auf das geplante Hochhaus beim Wiener Eislaufverein, Fotomontage

    "Was wirklich fehlt, ist eine Vorstellung davon, wie man damit umgeht, diese Stadt halbwegs attraktiv zu erhalten." Renate Banik-Schweitzer

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  • Blick auf das geplante Hochhaus beim Wiener Eislaufverein, Fotomontage

    Neben der atemberaubenden Höhe ist der Hauptkritikpunkt am Hochhaus am Eislaufverein die schwache Qualität des Siegerprojektes von Isay Weinfeld. Architekturpublizist Christian Kühn führte andere Bauten im 1. Bezirk an, die noch nach Jahrzehnten mit ihrer Qualität beeindrucken, wie das 1984 fertiggestellte Juridicum von Walter Hiesmayer: "Viele aktuelle Projekte bieten nicht diese Innovationskraft."

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  • Blick auf das geplante Hochhaus beim Wiener Eislaufverein, Fotomontage

    Um die Wiener Innenstadt vor überflüssigen Projekten zu schützen, meinte der Schweizer Vittorio Lampugnani, der an der ETH in Zürich Architekturgeschichte unterrichtet, man solle sich in Wien doch andernorts austoben, wie etwa am Flugfeld Aspern, aber nicht am Ring: "Ich habe den Eindruck, dass ihnen gar nicht klar ist, was sie hier haben ..."

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  • Blick auf das geplante Hochhaus beim Wiener Eislaufverein, Fotomontage

    "… was ich Ihnen wirklich ans Herz legen kann, bewahren Sie es, wie es ist." Vittorio Lampugnani

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Kulturjournal, 17.6.2015

Ein 75 Meter hoher Turm mit Luxuswohnungen, 30 Meter höher als das Hotel Intercont daneben. Beides auf einer Platte, in der ein riesiges Konferenzzentrum untergebracht ist. Das Siegerprojekt des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld umschlingt den Eislaufverein und drängt den Eislaufplatz selbst hinaus auf den Gehsteig. Das wirft in Wien Fragen auf.

Wem gehört die Stadt?

Die Kritiker des Projektes befürchten, dass die Vorteile der Investoren die der öffentlichen Hand bei weitem überwiegen. Aber nicht nur in Österreich haben bisher viele Exponenten der heimischen Architekturszene gegen das Projekt des Investors Wertinvest protestiert.

Auch bei der UNESCO löst das Projekt offensichtlich Empörung aus. Bei der Sitzung in Bonn Ende Juni soll folgendes besprochen werden: der sofortige Stopp aller Bewilligungen von Hochhäusern, Einleitung einer ICOMOS-Begutachtung und Bericht der Stadt Wien bis spätestens Februar 2016.

Masterplan Glacis

Eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion im Wien Museum hat das Thema weiterführend besprochen. Durch den 2014 neu erstellten "Masterplan Glacis" wird ja generell die die Bebauung der Wiener Ringstraße durch Hochhäuser angedacht - eine Ironie der Geschichte, gerade im großen Jubiläumsjahr der Wiener Ringstraße. Sie wird gefeiert als Prachtboulevard, der richtungweisend für viele andere europäische Städte war.

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