Zivildiener nicht finanzierbar wegen Asylbetreuung?
Die Flüchtlingsproblematik schwappt auf die Zivildiener über, zumindest argumentiert das Innenministerium so. Weil die Ausgaben für die Flüchtlingsbetreuung steigen, könnten die Hilfs- und Blaulichtorganisationen nicht mehr so viele Zivildiener bekommen, wie sie wollen, heißt es im Ministerium. Der Bedarf kann heuer nur noch zu 91 Prozent gedeckt werden - sehr zum Unmut der Organisationen.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 24.06.2015
Hilfsorganisationen warnen vor Einschnitten
Die Hilfs- und Blaulichtorganisationen schlagen Alarm. Rund zehn Prozent weniger Zivildiener als benötigt - das werde sich bei den betreuten Personen empfindlich auswirken, sagt etwa Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Roten Kreuz, mit 4.600 Zivis ist es die hauptbetroffene Organisation. Die Zivildiener leisten dort ein Viertel der Arbeit. "Wenn hier tatsächlich zehn Prozent der Zivildiener wegfallen und überhaupt kein Ersatz durch angestellte Kräfte geleistet wird, dann könnte das zum Beispiel heißen, dass es im Bereich der qualifizierten Krankentransporte zu längeren Wartezeiten kommt", so Kerschbaum.
Auch der Caritas stehen gröbere Einschnitte bevor. Ab Juli muss die Hilfsorganisation ihre Zivi-Stellen von 700 auf 600 senken, weil das Innenministerium nicht genügend Budget bereitstellt. Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter warnt: "Essen ausgeben in einem Altersheim oder mit einem alten Menschen spazieren gehen oder ihn irgendwohin bringen, all diese Dinge müssen eben von weniger Personal bewerkstelligt werden."
"Planbarkeit ist gefährdet"
Dabei seien die Zivildiener wichtige Stützen, und die Planbarkeit für die Organisationen sei entscheidend, sagt etwa Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger. "Das iür uns insofern ein Problem, weil wir auch eine interne Planung haben, wo wir eine gewisse Verlässlichkeit brauchen."
Dass es wegen der Flüchtlingsbetreuung kein Extrabudget gibt, dieses Argument will man bei den Organisationen nicht nachvollziehen. Fenninger: "Ich glaube, das eine hat mit anderen wenig zu tun." So sieht das auch Bernd Wachter von der Caritas. Man könne die Ausgaben im Flüchtlingsbereich nicht mit dem Zivildienst abgleichen: "Der Zivildienst ist ein Pflichtdienst. Den muss jeder junge Mann in Österreich erbringen und dann hat der Staat auch dafür zu sorgen, dass der Zivildienst geleistet und erbracht werden kann."
Außerdem, so heißt es bei den Sozialorganisationen, brauchten auch die Zivildiener selbst Planbarkeit. Dass hunderte jetzt bis 2016 auf einen Platz warten müssen, sei nicht einzusehen. Im Innenministerium betont man, dass das Budget für die Zivis heuer ja ohnehin on 61 auf 62 Millionen Euro steige. Man sei sich aber bewusst, dass der Bedarf bei den Hilfsorganisationen noch stärker wachse - laut den Organisationen nämlich um bis zu sieben Prozent.
