Joan-Mitchell-Schau in Bregenz
Im Kunsthaus Bregenz ist eine Künstlerin zu entdecken, die zu Unrecht zu den großen Unbekannten gehört: Die Werke der 1992 verstorbenen US-amerikanischen Malerin Joan Mitchell können mit ihren berühmten Zeitgenossen Willem De Kooning und Jackson Pollock absolut mithalten.
8. April 2017, 21:58
MARKUS TRETTER/KUNSTHAUS BREGENZ
Mittagsjournal, 17.7.2015
Bis zu drei Mal sieben Meter groß sind Joan Mitchells energiegeladene, abstrakte Gemälde. Teils dicht gedrängte Farbflächen, teils feine, kalligraphische Linien, deren Titel wie "Wind", "Sunflowers" oder "A small garden" ganz konkret die Blicke der Betrachter lenken, sagt Kurator Yilmaz Dziewior.
Ausbruch aus dem Großbürgertum
Geboren wurde Mitchell 1925 in Chicago, der Vater Industrieller, die Mutter Poetin und Herausgeberin einer Literaturzeitschrift. Mitchell brach früh aus den Großbürgerlichen Verhältnissen aus, wurde Kommunistin, ging nach New York und später nach Paris. Die frühe Vorliebe für Musik und Poesie jedoch blieb ein prägendes Element ihre Malerei, erzählt Laura Morris, Archivarin der Joan Mitchell Foundation.
Starke Frauenpersönlichkeit in Männerdomäne
Über 30 Arbeiten der Künstlerin zeigt die Retrospektive im Kunsthaus Bregenz, außerdem Skizzenbücher, private Kinderfotos und Korrespondenzen. Man rücke bewusst nicht nur das Werk, sondern auch die starke Persönlichkeit dahinter ins Zentrum, so Yilmaz Dziewior.
Die Künstlerin, die als trinkfest und rüpelhaft im Ausdruck galt, war in der Kunstszene gut etabliert und stand in enger Freundschaft mit Größen wie Samuel Beckett, dem Dichter und Kurator Frank O'Hara oder Pierre Bourdieu.
Malerei als Spiegel eines bewegten Lebens
Alle wichtigen Lebensstationen hat Mitchell in ihrem Werk verarbeitet, frühe Kindheitsängste ebenso wie desaströse Beziehungen und den Tod naher Freunde. Das mache ihr Werk so emotional und gleichzeitig so vielseitig, sagt Laura Morris. Werke, die zeitlich eng beieinanderliegen, weisen dennoch völlig unterschiedliche Bildersprachen auf.
Geprägt sind die Bilder auch von einem steten Kampf um künstlerische Freiheit, erst am Ende ihres Lebens scheint sie diese Freiheit tatsächlich für sich gewonnen zu haben - "Merci" heißt eines ihrer letzten Bilder, entstanden kurz vor dem Tod 1992.
Service
Kunsthaus Bregenz – Joan Mitchell
Joan Mitchell Foundation
