Nachruf auf David Bowie

Wenn es einen gab, der die Wandelbarkeit der Populärmusik und die Wandelbarkeit eines Künstlers in dieser Welt perfekt verkörpert hat, dann war das David Bowie. Heute früh wurde bekannt, dass der Ausnahmekünstler, der erst am Freitag 69 Jahre alt geworden war, tot ist.

1983 veröffentlichte Bowie das Album "Let's Dance"

1983 veröffentlichte Bowie das Album "Let's Dance"

AP/REDMAN

Der britische Musiker begann mit Folkmusik, wurde berühmt als funkiger Ziggy Stardust, schrieb mit Heroes die Rock-Hymne einer ganzen Generation, feierte mit "Let's Dance" den ganz großen Durchbruch in den USA und fand sich zuletzt auch in Techno bis Jazz wieder. Nun hat Bowie den Kampf gegen den Krebs verloren, den er eineinhalb Jahre lang geführt hat. Mit "Blackstar", ebenfalls erst am Freitag erschienen, hinterlässt er sein musikalisches Vermächtnis, dass so ganz anders klingt als seine Anfänge.

Mittagsjournal, 11.01.2106

Ich bin ein Sammler von Identitäten

Noch vergangenen Freitag wurde das Album "Blackstar" als Großtat eines Altmeisters gefeiert - jetzt ist es zu seinem musikalischen Vermächtnis geworden. David Bowie ist verstorben, zwei Tage nach Veröffentlichung seines letzten Albums, zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag.

Es war Bowies 25. Studioalbum, Interviews und öffentliche Auftritte gab es keine, nur der engste Familien- und Freundeskreis wusste von der Schwere seines Krebsleidens. Ruhig war es dabei schon lange gewesen um David Bowie. Seit seinem Herzinfarkt im Jahr 2004, ließ er fast ausschließlich die Musik für sich sprechen.

Er sei ein Sammler von Identitäten, beschrieb sich der Musiker ganz am Anfang seiner Karriere in einem Interview selbst, als er mit rot gefärbten Haaren und androgynem Auftreten die Kunstfigur Bowie auf seine über 40-jährige Reise schickte.

Spiel mit Stilen und Identitäten

Als David Robert Jones 1947 in London geboren, veröffentlichte Bowie 1966 sein erstes Album unter seinem Künstlernamen, und hob dann mit der Single "Space Oddity" endgültig in ein Popuniversum ab, aus dem er seither nicht mehr wegzudenken war, als richtungsweisende Ikone, die dabei weit über ihr musikalisches Schaffen hinaus stilprägend war.

Wie kaum ein anderer spielte Bowie mit unterschiedlichen Stilen und Identitäten. Zwischen Rock 'n' Roll, glamorösen Popsphären und Jazz, zwischen Ziggy Stardust und Thin White Duke. Von der düster anmutenden "Berliner Trilogie" bis hin zu tanzbarer Popmusik.

Sich nicht kopieren war sein Credo

Dazwischen immer wieder Auftritte im Kino. Sich nicht wiederholen, sich nicht kopieren, meinte Bowie 2002 über sein Album "Heathen", das er gemeinsam mit Produzent Tony Visconti einspielte. Und mit Visconti arbeitete Bowie auch bei seinem letzten Album "Blackstar" zusammen. Ein Album, eingespielt mit Jazzmusikern, womit sich Bowie selbst einen lang gehegten Traum erfüllt habe, so Visconti.

Als entspannt, frei und gelassen beschrieb die Kritik Bowies Stimme auf "Blackstar". Mit einem schöneren Geschenk, hätte sich einer der größten Künstler der letzten Jahrzehnte kaum verabschieden können.

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