Ilitschewski liest in Wien aus "Der Perser"

Alexander Ilitschewski, einer der renommiertesten Autoren der russischen Gegenwartsliteratur, schreibt Essays, Erzählungen und vor allem Romane. 2010 wurde sein Roman "Der Perser" mit dem mit 200.000 Euro dotierten Preis "Bolschaja Kniga" ausgezeichnet. Heute Abend stellt ihn der Autor in der Wiener Hauptbücherei vor.

In dem soeben auf Deutsch erschienenen Werk geht es um das Kaspische Meer und das dort ansässige Völkergemisch von Russen, Juden und Aserbeidschanern sowie deren abwechslungsreiche, bisweilen tragische Geschichte.

Mittagsjournal, 2.2.2016

"Der Perser" ist ein Monster von 750 Seiten. Der Geologe und Erdölfachmann Ilja macht sich zu Beginn der 1990er Jahre aus Kalifornien in seine aserbeidschanische Heimat auf. Wie die Hauptfigur seines Romans ist Alexander Ilitschewski am Kaspischen Meer aufgewachsen, studierte Mathematik in Moskau und unterrichtete später in Israel und in den USA. Ende der 1990er Jahre kehrte er nach Russland zurück. Ein zentrales Motiv in Ilitschewskis Büchern ist der Untergang des Sowjetimperiums.

"Wie ein Mantra wiederholt"

"Es war monströs", erinnert sich der Autor: "Praktisch in jeder, selbst in der ärmsten sowjetischen Wohnung hing eine riesige Landkarte mit dem riesigen Erdteil Namens Sowjetunion. Wenn die Kinder in der Früh aufwachten, hatten sie gleich diese Karte vor Augen. Und wie ein Mantra wurde ständig wiederholt: Wie gut ist es, dass wir in der Sowjetunion leben. Die Menschen wurden dadurch zu Zombies gemacht."

Plötzlich zur Freiheit verurteilt

Der Zerfall des Sowjetimperiums verurteilte seine Untertanen aber zur Freiheit. Jeder musste schauen, wie er weiterkam. Einer von diesen ist "Der Perser", der Biologe Haschem, der mit seiner Familie aus der iranischen Revolution des Jahres 1979 nach Baku geflohen war. Iran, auf der anderen Seite des Kaspischen Meeres, bedeute bis zum Sturz des Schahs für den sowjetischen Jugendlichen Ilitschewski die ganz andere Welt.

Von Alfred Nobel bis Osama bin Laden

"Der Perser" ist in jeder Hinsicht ein Roman von apokalyptischen Dimensionen. Das Buch wird von einer gewaltigen Anzahl von Figuren bevölkert: Das reicht von Alfred Nobel über diverse Rotschilds bis zu Stalin; am Ende tritt auch nur ein passionierten Falkenjäger Namens Ossama bin Laden auf den Plan. Nur einer kommt in diesem Roman nicht auf: Wladimir Putin, der in letzter Zeit die alten Träume vom Sowjetimperium gehörig wiederbelebt. Wäre Putin keine Figur für Ilitschewskis Roman gewesen?

"Ich glaube, bei der Anzahl an Negativpunkten, die er mittlerweile angesammelt hat, könnte er eigentlich vorkommen. Aber Putin ist als biografische Gestalt gar nicht so interessant. Alles, was mit ihm zu tun hat, ist ja reichlich banal. Wobei man natürlich zugeben muss - die Banalität des Bösen kann bekannterweise auch Weltmaßstab annehmen. Das wissen wir aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts."

Der große russische Autor Alexander Ilitschewski lebt seit 2013 in Israel. Ein Leben in Putin-Russland, sagt er, sei ihm nicht mehr möglich.

Service

Alexander Ilitschewski, "Der Perser", Roman, aus dem Russischen von Andreas Tretner, Suhrkamp

Der Autor liest heute, den 2. Februar um 19.00 Uhr, in der Wiener Hauptbücherei am Urban-Loritz-Platz aus seinem Roman. Büchereien Wien